Mediaagentur-Debatte Warum Sigmar Gabriel kein Gabriel-Gesetz will

Mittwoch, 21. Oktober 2015
Will Mediageschäft nicht regulieren: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel
Will Mediageschäft nicht regulieren: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel
Foto: Medientage München
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Ein Gabriel-Gesetz? Ohne Sigmar Gabriel. Bei den Medientagen München trat der Wirtschaftsminister Forderungen vieler Medienvertreter entgegen, das Geschäft der Mediaagenturen staatlich zu regulieren. "Das wäre ja so, als würden wir jedem Immobilienmakler verbieten, sein eigenes Haus zu bauen", so Gabriel am ersten Kongresstag.

Der Politiker positioniert sich damit in der kürzlich wieder aufgeflammten Debatte um Transparenz im Mediageschäft, in der sich unter anderem auch die Werbungtreibenden selbst nach längerem Schweigen zu Wort gemeldet haben.

Helmut Thoma
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Der Vorwurf: Der Druck, den die großen Mediaagenturen mit ihrem Geschäftsgebaren und nicht zuletzt einer aggressiven Rabattpolitik auf die Medien ausüben, würde über kurz oder lang das gesamte Mediensystem ruinieren. Die Forderungen: Ein Gesetz müsse her, ähnlich wie das 1993 in Frankreich eingeführte "Loi Sapin", das die Vergütung von Mediaagenturen durch Medienhäuser verbietet. Gabriel, der in seiner Keynote die Problematik des "klassischen Oligopols", bei dem 5 große Mediaagenturen 80 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaften, schilderte, zeigte sich allerdings skeptisch, was die Regulierung betrifft: "Ich bin mir nicht sicher, ob ein solch starker staatlicher Eingriff wirklich gerechtfertigt ist." Für fehlende Transparenz im Geschäft und Rabattschlachten habe man derzeit keine harten Belege. Stattdessen forderte der Wirtschaftsminister Werbekunden auf, selbst aktiv zu werden und wieder öfter direkt mit den Medien zu verhandeln. "Niemand ist schließlich zu einem bestimmten Handeln in der Wirtschaft verpflichtet." Den Medien selbst empfahl Gabriel, unabhängig von der redaktionellen Arbeit stärker in der Vermarktung zu kooperieren. 
„Wer wartet denn sonst noch auf den Zeitungsboten oder die Anfangsmelodie der Tagesschau?“
Sigmar Gabriel
Neben dem Druck aus der eigenen Branche sorgt dem Politiker zufolge die Digitalisierung dafür, dass in der Medienbranche "kein Stein auf dem anderen bleibt". Zwar blieben Menschen wie er, "digital immigrants", den klassischen Medien noch am ehesten treu, aber "wer wartet denn sonst noch auf den Zeitungsboten oder die Anfangsmelodie der Tagesschau?".

Gabriel zeigte sich zwar zuversichtlich, dass die Medienwirtschaft in der Lage sei, auf der Digitalisierungswelle zu reiten und sie für sich zu nutzen, räumte zugleich aber ein, dass man erst lernen müsse, die neue Plattformökonomie zu verstehen. "Was hat es für Folgen, wenn Uber den Taximarkt umkrempelt, ohne ein eigenes Auto zu besitzen? Auch Air BNB besitzt keine eigene Zimmer, Google News ist einzig und allein ein Sammelbecken für die Schlagzeilen anderer", so der Wirtschaftsminister weiter. Die Branche müsse lernen, mit den neuen Playern umzugehen und könne dabei selbstbewusst auf eigene Fähigkeiten blicken: "Klassische Fähigkeiten wie die Einordnung, das Kommentieren, das Vermitteln von Wissen und nicht nur von Informationen, werden immer wichtiger." Das gelte ebenso im Umgang mit der Flüchtlingskrise und dem aufkeimenden Rechtsradikalismus. kan

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