Mediadebatte Rechtsprofessor Schulz hält Mediageschäft für "extrem vermachtet"

Freitag, 31. Juli 2015
Wolfgang Schulz, Hans-Bredow-Institut
Wolfgang Schulz, Hans-Bredow-Institut
Foto: Hans-Bredow-Institut
Themenseiten zu diesem Artikel:

Wolfgang Schulz Wolfgang Kluth


Professor Wolfgang Schulz vom Hans-Bredow-Institut warnt vor einem Abhängigkeitsverhältnis der Medien von den Mediaagenturen. Die Agenturen könnten ihre Nachfragemacht ausnutzen, um Einfluss aufs Programm zu nehmen."Wenn man Vielfaltsregulierung betrachtet, muss man die Machtstrukturen im Markt im Blick haben", sagt Schulz im Interview in HORIZONT.
Mit seinem Kollegen Wolfgang Kluth hat Schulz 2014 das Gutachten "Konvergenz und regulatorische Folgen" verfasst, das die Grundlage für die Arbeit der Bund-Länder-Kommission bildet und die medienpolitischen Themenfelder absteckt, in denen möglicherweise Regulierungsbedarf besteht. Darin geht es auch um die Rolle der Mediaagenturen. Die Recherche beschreibt Schulz als schwierig: "Ich habe noch in keinem anderen Feld erlebt, dass es so schwierig ist, Menschen, die ansonsten gerne über sich und ihre Arbeit sprechen, dazu zu bringen, öffentlich Stellung zu beziehen." Nach den Gesprächen, die er und Kluth geführt haben, scheint ihm "der Bereich schon sehr vermachtet zu sein". Schulz sieht die Gefahr, dass die Medienunternehmen durch Trading in ein Abhängigkeitsverhältnis von den Agenturen geraten könnten. Die Agenturen könnten Einfluss auf redaktionelle Inhalte nehmen.
„Wer Werbung platziert, hat durchaus ein Interesse daran, das Werbeumfeld so zu gestalten, wie es ihm gefällt.“
Wolfgang Schulz
"Wer Werbung platziert, hat durchaus ein Interesse daran, das Werbeumfeld so zu gestalten, wie es ihm gefällt." Bei großer Nachfragemacht der Werbungtreibenden bestehe die Gefahr, dass der Anbieter auf solche Forderungen eingeht. "Rechtlich ist das zwar verboten, aber in der Praxis nicht auszuschließen. Mediaagenturen akkumulieren diesen potenziellen Einfluss noch und potenzieren ihn damit." pap

Was Schulz zu den Chancen von Selbstverpflichtungen und einer möglichen gesetzlichen Regulierung sagt, erfahren Leser der HORIZONT-Ausgabe 31 vom 30. Juli 2015, die auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.
Meist gelesen
stats