Media Impact Nienhaus an Regionalverlage: „Testet uns aus!“

Donnerstag, 17. März 2016
Sieht Wettbewerb mit Score Media  gelassen: Christian Nienhaus
Sieht Wettbewerb mit Score Media gelassen: Christian Nienhaus
Foto: Alex Grimm / Getty Images

Hat der neue Tageszeitungsvermarkter Score Media das Zeug, im nationalen Werbemarkt „Bild“ ernsthaft Konkurrenz zu machen? Im Interview mit HORIZONT Online sagt Christian Nienhaus, Chef des Springer-Funke-Vermarkters Media Impact (MI): „Ich sehe den Wettbewerb mit Score Media wirklich sehr gelassen.“

In zentralen Bereichen wie Agenturgeschäft, digitale Angebote oder Kundenzugang sei man dem Newcomer weit überlegen. Was Score-Media-Chef Heiko Genzlinger gar nicht gefallen dürfte: Nienhaus erneuert und präzisiert sein Angebot an Regionalverlage, sich von MI vermarkten zu lassen - gerne auch erst einmal in einzelnen Bereichen wie dem Markenartikel-Geschäft. Nienhaus: „Unser Angebot an die Verlage lautet: Testet uns aus!“

Während MI in der Printvermarktung, die rund 75 Prozent zu den Gesamterlösen beisteuert, die klare Nummer 1 im Markt ist, ist im digitalen Werbegeschäft Ströer inzwischen meilenweit enteilt. Wann startet MI einen Konter und baut sein Mandantengeschäft aus? Nienhaus: „Das Problem ist, dass der Wettbewerb der Vermarkter dazu führt, dass zum Teil viel zu hohe Garantiesummen im Spiel sind. Ich bin viel zu sehr Kaufmann, um diesen Wettlauf mitzumachen.“ 

Nienhaus zum Verhältnis zu Score Media

Es gibt drei Bereiche, in denen wir Score Media auf lange Sicht deutlich überlegen bleiben werden: das Agenturgeschäft, Digital und die Beziehungen zur Markenartikelindustrie. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dass ein Verlag einen Bereich von uns vermarkten lässt, zum Beispiel Markenartikel, und einen anderen von Score Media. Wir haben hier eine große und sehr effiziente Organisation sowie einen hervorragenden Kundenzugang.

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Als Zeitungsverlag  kann man sich da schon die Frage stellen: Wie sinnvoll ist es, jetzt mit riesigem Aufwand einen neuen Vermarkter aufzubauen, der noch dazu nur Print hat? Gerade die großen Handelskunden setzen immer stärker auch auf Digital. Media Impact bietet die komplette Bandbreite: Print, Display, Bewegtbild, Programmatic. Aber um nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe überhaupt nichts gegen Score Media und glaube auch, dass sich der Vermarkter am Markt etablieren kann. Unser Angebot an die Verlage lautet einfach: Testet uns aus.“

 

Über die Erfolgsaussichten von Score Media

Natürlich hat Score Media die Chance, mit den versammelten deutschen Tageszeitungen eine hohe Auflage und nationale Verbreitung anzubieten. Nur: Bei „Bild“ bekommen Sie das auch, und das zu einem deutlich besseren Preis-Leistungsverhältnis. Und mit einer Marke, die extrem digital aufgestellt ist. Insofern sehen wir den Wettbewerb mit Score Media wirklich sehr gelassen.“ 

Zum dramatischen Auflagenrückgang bei „Bild“

Dramatisch sagen Sie. Natürlich geht die Auflage parallel zur Digitalisierung kontinuierlich nach unten, das ist nicht zu vermeiden und auch nicht überraschend. Man muss einfach mal die Relationen sehen. Große Titel wie „Spiegel“ oder „Stern“ verkaufen im Grossosystem unter 200.000 Exemplare die Woche, „Bild“ kommt im gleichen Zeitraum auf deutlich über 10 Millionen Kaufakte! Wir sind bei der Print-Auflage vielleicht nicht mehr auf dem Mount Everest, aber allemal auf dem Montblanc. Vor allem, wenn Sie bedenken, dass „Bild“ zusammen mit den digitalen Angeboten inzwischen auf eine monatliche Reichweite von insgesamt 38 Millionen kommt. „Bild“ war früher kein Abo-Angebot – und heute hat die Marke über 300.000 Abonnenten nur für das Digitalangebot. Das hätte man sich in der reinen Printwelt von früher doch niemals vorstellen können. Da von Krise zu reden, halte ich für absurd.“

Über Ströer, der in der Digitalvermarktung inzwischen klarer Marktführer ist

Das Selbstverständnis von Media Impact ist, unser eigenes Inventar so gut wie möglich zu vermarkten und für die Medien unserer Partner so viel Umsatz wie möglich herauszuholen. Die Strategie von Ströer ist, sich möglichst viel Inventar dazuzukaufen. Ich mag das gar nicht kritisieren und an den Finanzmärkten fährt das Unternehmen damit ja auch sehr gut.“ 

Über die eigene Digitalstrategie

 „Wir sind im Digitalgeschäft die Nummer 2 nach Ströer und liegen sehr deutlich vor Wettbewerbern wie Gruner + Jahr und Burda. Und wir haben ja auch einiges an Mandantengeschäft im Digitalen. Wenn wir sehen, dass sich ein Geschäft mit einem Partner nicht rechnet, lassen wir die Finger davon oder beenden auch mal eine Zusammenarbeit. Wir haben jetzt mit „Business Insider“ und „Upday“ zusätzliche qualitativ hochwertige Angebote im Portfolio, wir setzen stark auf Programmatic und beschäftigen uns sehr intensiv mit Native Advertising. Ich glaube auch, dass wir im Drittvermarktungs- und Mobile-Geschäft sehr große Chancen haben. Es ist viel im Fluss und als Vermarkter des führenden digitalen Verlags werden wir von den aktuellen Entwicklungen stark profitieren.“

 

Über eine mögliche Konsolidierung in der Vermarktung

Wir sind als größter Printvermarkter umsatzstärker als die nächstgrößten Gruner + Jahr und Burda zusammen. Im Digitalgeschäft sind wir sehr expansiv unterwegs. Insofern sehen wir uns also überhaupt nicht unter Druck. Natürlich sind wir grundsätzlich bereit für neue Allianzen, sowohl in der Vermarktung als auch im Vertrieb. Über Zeitungen haben wir schon gesprochen, auch bei Zeitschriften ist einiges denkbar. Ich glaube schon, dass sich in den nächsten ein, zwei Jahren einiges in Sachen Konsolidierung tun wird.“

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