Media Activity Guide 2015 Online-Videos sind ein "Zielgruppen-Phänomen"

Dienstag, 20. Oktober 2015
Das klassische Fernsehen ist nach wie vor das beliebteste Medium
Das klassische Fernsehen ist nach wie vor das beliebteste Medium
Foto: Fotolia

Wird die Bedeutung von Netflix & Co. überschätzt? Die Langzeitstudie "Media Activity Guide" von Pro Sieben Sat 1 legt diesen Schluss nahe. Demnach verändert sich das Mediennutzungverhalten zwar, allerdings langsamer als vielfach vermutet. Die Kernbotschaft aus Sicht des TV-Konzerns: Das klassische Fernsehen ist nach wie vor das meistgenutzte Medium, Online-Nutzung ist noch ein "Zielgruppen-Phänomen".
Das klassische lineare Fernsehen ist und bleibt laut dem Media Activity Guide auf absehbare Zeit das beliebteste und meistgenutzte Medium. Im Schnitt schaut jeder Deutsche pro Tag 259 Minuten pro Tag fern. Damit ist die TV-Nutzung im Vergleich zum Vorjahr weiter auf hohem Niveau stabil. Auf Platz 2 folgt das Radio mit 115 Minuten pro Tag (Vorjahr: 129 Minuten), die inhaltliche Internetnutzung, also die Nutzung von Online-Content, liegt mit 53 Minuten leicht über dem Vorjahreswert von 52 Minuten. Auf die Nutzung von Printprodukten entfällt knapp eine Stunde pro Tag: Im Schnitt liest jeder Deutsche 28 Minuten pro Tag Buch (Vorjahr: 30 Minuten) und 31 Minuten andere Printprodukte wie Zeitungen und Zeitschriften - immerhin zwei Minuten mehr als im Vorjahr. Ein besonderes Augenmerk legt die Studie auf die Nutzung von Bewegtbild und neue Nutzungsformen wie Online-Videos. Dabei bestätigen die Ergebnisse des Media Activity Guide die Erkenntnisse anderer Medienutzungsstudien: Alternative Verbreitungswege wie PC, Laptop, Smartphone oder Tablets werden vor allem von jüngeren Menschen genutzt. Während die TV-Nutzung über alternative Zugangswege in der Gesamtbevölkerung nur 2 Prozent der Gesamtnutzung ausmacht, liegt der Anteil bei den 14- bis 29-Jährigen immerhin bereits bei 11 Prozent. Dies entspricht einer Nutzungsdauer von 15 Minuten über Kanäle oder Geräte, die bislang nicht in die von der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung AGF erfasst wird.

Die Studienautoren sehen in diesen alternativen Nutzungsformen noch ein "Zielgruppen-Phänomen". Auch Video-on-Demand-Dienste sind laut Studie noch eine "Nischennutzung": So betrage die tägliche Nutzungsdauer von Netflix & Co. lediglich elf Minuten. Je jünger die Zuschauer, desto höher ist allerdings die Nutzungszeit: Bei den 14- bis 49-Jährigen liegt sie bei 20 Minuten, bei den 14- bis 29-Jährigen sind es bereits 40 Minuten. Noch keine große Rolle spielen laut Studie bislang kostenpflichtige Video-on-Demand-Dienste wie Netflix oder Maxdome: Diese liege im Schnitt bei gerade einmal zwei Minuten.

"Der erwartete Boom der kostenpflichtigen Videonutzung ist trotz des Markteintrittes namhafter Anbieter bisher ausgeblieben", sagt Guido Modenbach, Geschäftsführer Market Intelligence von SevenOne Media: "Ohnehin konnten wir beobachten, dass sich der Wandel der Mediennutzung deutlich träger vollzieht als vielfach angenommen. Die gute Nachricht für alle Werbungtreibenden: Die Impulswirkung von Fernsehen ist weiter angestiegen und bietet über Second Screen eine ideale Wirkungskombination mit dem Internet als Distributionskanal."

Der "Media Activity Guide" ist der Nachfolger der Studienreihe "Mediennutzung" von Seven-One Media, die seit 1999 jährlich durchgeführt wird. Für die aktuelle Studie wurden im März 2015 rund 3000 Personen ab 14 Jahren telefonisch zu ihrem Mediennutzungsverhalten interviewt. dh
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