Matthias Matussek "Der Spiegel war immer gut zu mir"

Mittwoch, 15. Januar 2014
Matthias Matussek (rechts) beim Deutschen Medienkongress
Matthias Matussek (rechts) beim Deutschen Medienkongress

Matthias Matussek gehört wohl zu den wenigen deutschen Journalisten, die als eigene Marke gelten dürfen. Beim Deutschen Medienkongress sprach der Ex-"Spiegel"-Mann, der im Februar bei Springers "Welt"-Gruppe in Berlin als Autor anfängt, über seinen ehemaligen Arbeitgeber und Qualitätsjournalismus. Die katholische Kirche, benachteiligte Väter, Patriotismus: Matthias Matussek beschäftigt sich gerne mit Themen, die sich kontrovers diskutieren lassen. Dass er dabei oft eine recht wertkonservative Einstellung an den Tag legt, hat ihm den Ruf eingebracht, ein zwar freier, aber oft auch unbequemer Geist zu sein. Beim "Spiegel" hatte Matussek es deswegen nicht immer leicht: Er berichtet von Unterschriftenlisten, die gegen Artikel von ihm im Hause kursierten oder von gekränkten Ressortleitern, die bei der Chefredaktion vorstellig wurden. Seine Einstiegsbemerkung ("Ich dachte, ich hätte lebenslänglich beim 'Spiegel', bin aber wegen guter Führung entlassen worden") lässt denn auch auf ein zuletzt etwas ambivalentes Verhältnis zum "Spiegel" schließen

Nichtsdestotrotz hat Matussek gute Worte für seinen langjährigen Arbeitgeber übrig: "Der 'Spiegel' war immer sehr gut zu mir". Besonders unter Chefredakteur Stefan Aust, der von 1994 bis 2008 beim dem Magazin das Sagen hatte, habe das Blatt eine hervorragende Ausrichtung mit einer großen Meinungsvielfalt gehabt. Doch auch dessen im vergangenen Frühjahr entlassenen Nachfolger Georg Mascolo lobt Matussek für seine liberale Haltung. Welch eine Fügung, dass sich alle drei demnächst bei Springer wiedersehen werden: Aust wurde kürzlich als Herausgeber der "Welt"-Gruppe verpflichtet, auch soll Mascolo bei dem Konzern angeheuert haben. Matussek selbst wird im Februar als Kolumnist bei der "Welt" ("ein sehr liberales Blatt") anfangen.

Allerdings, und so kam die Sprache auf das Thema Qualität, machte Matussek zuletzt weniger durch Berufliches von sich Reden, als vielmehr durch seinen Auftritt in der "Late Night Show" von Comedian Kurt Krömer. Dieser hatte Matussek dabei mehrfach beleidigt, sodass der Journalist sich gegen die Ausstrahlung wehrte - und vor Gericht verlor. Letztlich sei das eine Lappalie gewesen, so Matussek, zudem sei daraus eine Diskussion über Qualität im Fernsehen entstanden. Viel mehr stört ihn der "Rudeljournalismus", den einige Medien immer wieder an den Tag legten. Beispiel Christian Wulff: Damals wären Medienschaffende in Talkshows aufgetreten "die für ein Gehalt von Wulff morgens nicht aus dem Bett steigen würden."

Dennoch attestiert Matussek der deutschen Medienlandschaft eine sehr hohe Qualität - die allerdings immer wieder herausgefordert werde. Sei es durch eine schrumpfende Aufmerksamkeitsspanne bei den Lesern, den enormen Konkurrenzdruck der Medien untereinander oder auch den journalistischen Nachwuchs, der zwar technisch unheimlich versiert sei, aber seltener eigene originelle Gedanken verfolge. Dabei sei es wichtig, eine Überzeugung zu haben, dafür einzutreten und sich auch mal beschimpfen zu lassen. Und wenn einer einer hiervon ein Lied singen kann, dann wohl Matthias Matussek. ire
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