Martin Winterkorn So beurteilen die Medien den Rücktritt des VW-Chefs

Donnerstag, 24. September 2015
Martin Winterkorn ist nicht länger VW-Chef
Martin Winterkorn ist nicht länger VW-Chef
Foto: VW

Am Ende ging alles ganz schnell: Nur 24 Stunden nach seiner Videobotschaft, in der sich VW-Chef Martin Winterkorn für die Abgas-Manipulationen seines Konzerns entschuldigt hatte, von Aufgeben jedoch nichts wissen wollte, folgte dann doch der Rücktritt. Die Kommentatoren in den Medien sind sich einig: Winterkorn hat für VW Großes geleistet - sein Abgang war jedoch unvermeidlich.

Holger Steltzner, Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Volkswagen
hat Winterkorn viel zu verdanken; er und Piëch machten VW zum größten Autohersteller der Welt. Doch der Aufsichtsrat ließ die beiden 'Alten' den globalen Konzern nach Gutsherrenart führen – und wurde abhängig. Angesichts der Bedeutung von VW auch für das Land ist das ein unhaltbarer Zustand. Das Kontrollgremium muss jetzt Tabula rasa machen und alle Betrüger belangen. Mehr als 600.000 Beschäftigte dürfen nicht länger Spielball von zwei verfeindeten Familienstämmen sein."

Bela Anda, Bild

"Als VW-Chef hat Martin Winterkorn Großes geleistet. Ungerecht ist, dass sein höchstes Hoch – das Übertrumpfen von Toyota als größtem Autobauer der Welt – und sein Absturz so nah beieinanderliegen."

Frank-Thomas Wenzel, Kölner Stadt-Anzeiger

"Winterkorn hat den Abgas-Skandal bei Volkswagen mit seinem verspäteten Rücktritt noch einmal zusätzlich verschärft. Das aber nur der Schlusspunkt einer langen Kette von Verfehlungen, die Winterkorn aber offenbar nicht wahrhaben wollte. Viel zu lange hat er Tricksereien geduldet und gedeckt. Da fehlte es massiv an Unrechtsbewusstsein. Und schließlich wurden auch noch die Öffentlichkeit und die Aktionäre erst dann informiert, als es gar nicht mehr anders ging."
Martin Winterkorn
Bild: Volkswagen

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Volkswagen Martin Winterkorn tritt zurück

Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung

"In diesem VW-Skandal geht es nicht bloß ums Image; das könnte man polieren. Polituren helfen hier aber gar nichts, weil die Substanz beschädigt ist. VW hat millionenfach gegen eine Compliance-Grundregel verstoßen: lieber kein Geschäft als ein faules. Es gilt auch noch eine zweite Grundregel: Wertvolle Autos baut man nur dann, wenn im Unternehmen Werte gelten. Die große Frage lautet nun: Wie wird VW wieder wertvoll? Ein Rücktritt reicht da nicht."

Ulf Poschardt, Die Welt

"Martin Winterkorn war ein großartiger Autobauer, der es sich selbst nicht verzeihen wird, dass er seinen geliebten Konzern zum Abgang derart lädiert zurücklässt. Niemand wird das mehr schmerzen als ihn, den pflichtbewussten Schwaben. Ob er als einer der großen Wirtschaftslenker des Landes in die Geschichtsbücher eingehen darf, kann erst am Ende der Aufklärung entschieden werden."

Andreas Tyrock, Der Westen

"
VW muss jetzt ganz schnell aufräumen. Ein unbelasteter Chef muss noch in dieser Woche ernannt werden, alle Umstände der Manipulation müssen aufgeklärt und konsequent geahndet werden. Außerdem muss der VW-Konzern kurzfristig aufzeigen, wie er künftige Herausforderungen technisch und strategisch meistern will. Es geht um die Zukunft von VW mit 600 000 Beschäftigten und das Ansehen der deutschen Industrie – nicht mehr und nicht weniger.

Winterkorns Rücktritt als VW-Chef ist nur der erste Schritt | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/meinung/ein-ruecktritt-als-erster-schritt-cmt-id11121632.html#plx2090560121
VW muss jetzt ganz schnell aufräumen. Ein unbelasteter Chef muss noch in dieser Woche ernannt werden, alle Umstände der Manipulation müssen aufgeklärt und konsequent geahndet werden. Außerdem muss der VW-Konzern kurzfristig aufzeigen, wie er künftige Herausforderungen technisch und strategisch meistern will. Es geht um die Zukunft von VW mit 600 000 Beschäftigten und das Ansehen der deutschen Industrie – nicht mehr und nicht weniger.

Winterkorns Rücktritt als VW-Chef ist nur der erste Schritt | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/meinung/ein-ruecktritt-als-erster-schritt-cmt-id11121632.html#plx2090560121
VW muss jetzt ganz schnell aufräumen. Ein unbelasteter Chef muss noch in dieser Woche ernannt werden, alle Umstände der Manipulation müssen aufgeklärt und konsequent geahndet werden. Außerdem muss der VW-Konzern kurzfristig aufzeigen, wie er künftige Herausforderungen technisch und strategisch meistern will. Es geht um die Zukunft von VW mit 600 000 Beschäftigten und das Ansehen der deutschen Industrie – nicht mehr und nicht weniger."

David Böcking, Spiegel Online

"Außer der möglichen Verantwortung weiterer Mitarbeiter stellt sich die Frage, wie stark Volkswagen sich als Konzern verändern muss - schließlich ist es bei Weitem nicht der erste Skandal des Unternehmens: von der López-Affäre um angeblich bei Opel gestohlene Unterlagen über den berüchtigten Lustreisen-Skandal, an dem auch der frühere Arbeitsdirektor Peter Hartz beteiligt war, bis zur gescheiterten VW-Übernahme durch Porsche, die mit dem Gegenteil endete. Für einen Konzern, der im Ausland gerne mit dem eher spröden Charme und der Zuverlässigkeit deutscher Ingenieure wirbt, geht es im Umfeld von VW schon länger ganz schön halbseiden zu."
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Dietmar H. Lamparter, Die Zeit

"Martin Winterkorn hat sich in jahrzehntelanger Arbeit im VW-Konzern große Verdienste erworben. Aber jetzt ist sein Rücktritt der größte Dienst, den er dem Konzern in der aktuellen Katastrophe noch leisten konnte. Es musste jemand gegenüber Kunden, Mitarbeitern, Anlegern, Aufsichtsbehörden, Politik und Öffentlichkeit die Verantwortung übernehmen, selbst wenn er selbst in den Betrug um geschönte Abgaswerte in den USA nicht involviert war. Darunter ging es nicht. Dass der oberste Manager geht, ist das Symbol dafür, dass man in Wolfsburg den Ernst der Lage begriffen  hat."

Gabor Steingart, Handelsblatt Morning Briefing

"Die Übergröße Winterkorns erkennt man schon an den geschrumpften Erwartungen, die sich nun an den Nachfolger richten. Der wird nicht daran gemessen, dass er das Unternehmen weiter ausbaut. Es gilt schon als außergewöhnliche Leistung, wenn er Umsatz, Gewinn und Innovationskraft halten kann."


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