Marode hauseigene Druckerei Blockade im Aufsichtsrat des "Weser-Kurier"

Mittwoch, 20. Dezember 2017
Das Pressehaus des "Weser Kuriers"
Das Pressehaus des "Weser Kuriers"
© Christina Kuhaupt

Zwist unter Eigentümerfamilien förderte noch nie das Geschäft. Ein Zeitungsverlag kann sich das heutzutage erst recht nicht mehr leisten. Genau dieses Problem hat aber die Bremer Tageszeitungen AG. Es geht um die Suche nach einer Lösung für die marode hauseigene Druckerei – und um mehrere Millionen Euro, die der Vorstand pro Jahr einsparen könnte.

Dreimal tagte der Aufsichtsrat der Bremer Tageszeitungen AG, dreimal ging es um dieselbe Beschlussvorlage des Vorstands, dreimal verweigerte das sechsköpfige Gremium seine Zustimmung. So war das am 18. Mai, am 25. August und zuletzt am 17. November dieses Jahres. Da es um das ökonomische Wohl des Unternehmens geht, wollen Eric Dauphin und Jan Leßmann aber nichts unversucht lassen. Für den heutigen Mittwochnachmittag haben sie daher zur außerordentlichen Hauptversammlung einberufen.

Werden die Aktionäre, allesamt Mitglieder der Hackmann-Familie sowie der Anteilseigner Christian Güssow, die Blockade des paritätisch besetzten Aufsichtsrats auflösen?
Zur Abstimmung steht, wie schon die drei vorigen Male, der Vorschlag, die hauseigene Druckerei mit ihren rund hundert Beschäftigten in Bremen-Woltmershausen zum 31. August 2020 zu schließen und den "Weser-Kurier" mitsamt Regionalausgaben und Schwestertiteln künftig in Oldenburg zu drucken. Dort würde die Bremer Tageszeitungen AG mit 50 Prozent bei WE Druck einsteigen – als Mitgesellschafter neben Nordwest Medien, dem Verlag der Nordwest-Zeitung (NWZ). Die beiden Häuser arbeiten bereits bei der IT zusammen.

Zur Finanzierung der Beteiligung, die auch mit Investitionen in Maschinen und das Gebäude verbunden wäre, benötigten die Bremer ein Darlehen der Gesellschafter, in Höhe von 11,5 Millionen Euro. Im Gegenzug würde der Verlag dauerhaft pro Jahr nicht nur mehrere Millionen Euro sparen. Endlich könnten die Bremer Zeitungen auch durchgängig vierfarbig gedruckt werden, und zwar weniger personalintensiv und sehr viel schneller als bisher. Das hätte auch logistische Vorteile.

Gibt es eine Alternative? Der Neubau einer Druckerei wäre sicherlich nicht wirtschaftlicher. Wohl aber haben Dauphin und Leßmann zuletzt mit weiteren Partnern gesprochen, unter anderem mit Dirk Ippens Verlagsgruppe, die im nahen Syke die "Kreiszeitung" herausgibt. Keine der Alternativen wäre jedoch günstiger als das gemeinsame Druckhaus mit der NWZ in Oldenburg. usi

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