Marketing im Grosso G+J ruft im Rechtstreit mit Bauer den BGH an

Montag, 26. August 2013
G+J-Vertriebschef Nils Oberschelp macht im Grosso-Streit weiter Druck (Bild: G+J)
G+J-Vertriebschef Nils Oberschelp macht im Grosso-Streit weiter Druck (Bild: G+J)


Die Honorarkasse der Anwälte klingelt weiter: Gruner + Jahr gibt im über dreijährigen Rechtsstreit mit der Bauer Media Group um deren Marketingmaßnahmen im Pressehandel nicht auf. Nachdem das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg im Juli teilweise zugunsten Bauers geurteilt und keine Revision zugelassen hatte, hat G+J nun genau dagegen eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) eingelegt, um doch eine Revision durchzusetzen. Dies teilt der neue G+J-Vertriebschef Nils Oberschelp den Grossisten in einem Brief mit, der HORIZONT.NET vorliegt.
Worum es geht: Im März 2010 hatte Bauer auf seine für den Einzelhandel umsatzstärksten Titel ein entsprechendes "Siegel" gedruckt und Grossisten und Einzelhändler aufgefordert, diese besser zu platzieren. Es folgten Proteste anderer Verlage, die die Neutralität des Grosso verletzt und ihre eigenen Portfolios diskriminiert sahen. Wortführer der Kritiker war G+J. Eine wahre Schlacht aus Abmahnungen und Prozessen beschäftigte die Anwälte. Das OLG Hamburg verbot am Ende zwar vermeintlich neutral wirkende Siegel (die Bauer seit 2011 sowieso nicht mehr einsetzt), erlaubte aber Titelmarketing - Informationen, Kampagnen - auch im Grosso, um auf bessere Behandlung der eigenen Titel im Einzelhandel hinzuwirken.

Das will G+J so nicht stehen lassen. Das OLG Hamburg habe "teilweise holzschnittartige Ausführungen vor allem zur Neutralitätspflicht der Grossisten gemacht, die nicht überzeugen", so Nils Oberschelp, der neue Geschäftsführer der G+J-Tochter Deutscher Pressevertrieb (DPV), in seinem Brief ans Grosso. Hier strebe G+J eine Überprüfung der Entscheidung durch den BGH an. Die Pressegroßhändler bittet Oberschelp: "Lassen Sie sich nicht beirren und werfen Sie nicht voreilig über Bord, was Sie in den letzten Jahrzehnten stets zu Recht als selbstverständlich praktiziert haben: Die neutrale und diskriminierungsfreie Behandlung aller Zeitschriftentitel am Presseregal." Die Grossisten sollten gerne alle Marketingfreiheiten nutzen - "aber behalten Sie dabei die Spielregeln im Auge, die im deutschsprachigen Raum zu einer weltweit einzigartigen Zeitschriftenvielfalt geführt haben." rp
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