Marissa Mayer Wie sich die Yahoo-Chefin in Cannes blamierte

Dienstag, 24. Juni 2014
Marissa Mayer hat sich in Cannes nicht nur Freunde gemacht
Marissa Mayer hat sich in Cannes nicht nur Freunde gemacht

Dass Marissa Mayers Verhältnis zur Werbeindustrie ziemlich zwiespältig ist, beklagten US-Kritiker zuletzt, als die Yahoo-Chefin ihren für Werbung zuständigen Top-Manager Henrique de Castro feuerte. Nun blamierte sie sich ausgerechnet beim Werbefestival in Cannes. Jeder, der schon einmal Teilnehmer des Werbefestivals war, weiß: Es lässt sich nirgendwo auf der Welt so gut Rosé und frischer Fisch verbinden mit hartem Business. Seit Jahren sind nicht nur "Werber" für eine Woche an der Cote d'Azur, sondern auch wichtige Werbungtreibende wie Unilever und Procter & Gamble, nebst ihren Agenturen selbstverständlich.

Beispielsweise IPG (MRM, McCann, Initiative). Die Agenturgruppe hatte ihre wichtigsten Manager wie auch wichtige Werbungtreibende zu einem privaten Abendessen eingeladen. Als Stargast war vorgesehen: Yahoo-Chefin Marissa Mayer. Doch die kam zwei Stunden zu spät - weil die umtriebige Konzernchefin eingeschlafen war. "Das zeigt, dass Mayer den Wert von Werbekunden und Agenturen nicht versteht", zitiert das Wall Street Journal einen Partygast.

Noch schlimmer war ihr Auftritt bei einem WPP-Event, wie Business Insider berichtet. Hier wurde sie von Holdingchef Martin Sorrell regelrecht vorgeführt. Ob es etwas mit ihm zu tun hätte, dass sie auf seine Mails nicht antworte, fragte der bissige Agenturchef. Zuvor hatte Mayer auf eine entsprechende Sorrell-Frage treuherzig geantwortet, sie würde auf jedes Mail antworten. Mayer sollte sich Sorrell zum Vorbild nehmen: Jeder, der mit Sorrell einmal per Mail zu tun hatte, weiß: Der Mann antwortet immer (und zwar ziemlich schnell) - egal, ob es Tag oder Nacht ist.


Was man als leicht bizarres Cannes-Nachspiel leicht abtun könnte, hat einen durchaus ernsten Business-Hintergrund. Wie seine Hauptkonkurrenten lebt auch Yahoo vor allen Dingen von den Werbeerlösen. Hier sah es Anfang diesen Jahres eher mäßig aus. Im ersten Quartal 2014 hatte der Werbeumsatz von Yahoo nur leicht auf knapp über eine Milliarde Dollar zugelegt. Mayer, die vor zwei Jahren den Job übernommen hatte, soll Yahoo im Konkurrenzkampf mit Facebook und Google eigentlich wieder zu alter Größe und Bedeutung führen. Dazu müsste sie aber künftig ihre Top-Geldgeber etwas ernster nehmen. vs

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