"Manager Magazin"-Chef Klusmann "Wir denken Online komplett neu"

Donnerstag, 10. April 2014
Steffen Klusmann ist seit November 2013 Chefredakteur des "Manager Magazin"
Steffen Klusmann ist seit November 2013 Chefredakteur des "Manager Magazin"


Der Herbst wird heiß beim "Manager Magazin". Steffen Klusmann, seit November 2013 Chefredakteur dort, plant einen Relaunch des Blattes - vor allem aber der Website. "Wir denken Manager Magazin Online komplett neu", sagt Klusmann in seinem Antrittsinterview, das er HORIZONT gibt. Doch noch spannender als die konkreten Veränderungspläne im Heft und Netz sind die Gedanken, die dahinter stehen.
Klusmanns Argumentation in Kurzform: Das gedruckte Magazin verdiene weiterhin Geld - aber niemand wisse, wie lange noch und wie viel. Deshalb müsse man gerade jetzt einen Teil der Print-Gewinne "in unsere digitale Zukunft investieren", so sein Gruß an die traditionell gewinnausschüttungsfreudigen Gesellschafter (Spiegel-Verlag und seine Mitarbeiter KG, Gruner + Jahr). So weit, so üblich. Aufhorchen lässt folgendes: Im Digitalen glaubt Klusmann weniger an Bezahl-Apps, die vielleicht nur eine "Übergangstechnologie" seien - sondern eher an die Gratis-Website: "Das Ziel muss sein, dass wir mit unserer Site in ein paar Jahren so viel Geld verdienen, dass es egal ist, welche Rendite wir mit dem Heft erzielen."

Deshalb der radikale Web-Relaunch ab Herbst. Die wichtigste Zukunftssäule der Marke "Manager Magazin" sieht der neue Chefredakteur also nicht mehr unbedingt im Verkauf aufwendig recherchierter Special-Interest-Inhalte via Papier oder Apps an zahlende Leser, sondern in einem rein werbefinanzierten (und eher aggregierenden als recherchierenden) Gratisportal, das irgendwann mehr Leser erreichen könnte als das Blatt - aber dann eben auch andere Leser, nicht mehr (nur) die Top-Klientel. Im Interview mit HORIZONT (Ausgabe 15/2014 vom 10. April) erklärt Klusmann, warum er dies für den richtigen Weg hält.

Abonnenten lesen dort außerdem, ...

... wie Klusmann das Heft (inhaltlich und optisch) und die Website (mehr syndizieren und kuratieren) verändern will - und was seine Vorbilder dafür sind.

... warum Kuratieren eine eigene Leistung sei: "Wenn Sie in eine tolle Ausstellung gehen, stört es Sie doch auch nicht, dass die Exponate dem Museum nicht selbst gehören."

... warum es Klusmann egal ist, ob sein Vorgänger Arno Balzer mehr oder weniger CEO-Handynummern hat als er.

... warum er sich wegen der künftigen Konkurrenz durch Axel Springers "Bilanz" ab Mai ("Wir reden hier von der Gratisbeilage in einer Tageszeitung, die sich nicht leicht tut") und "Wired" (Condé Nast, ab Herbst) "nicht gleich ins Hemd macht". rp

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