Management-Buy-out Ringier stößt „Cicero“ und „Monopol“ an Chefredaktion ab

Mittwoch, 17. Februar 2016
Verlegt "Cicero" jetzt selbst: Christoph Schwennicke
Verlegt "Cicero" jetzt selbst: Christoph Schwennicke
Foto: Cicero

Chefredakteur Christoph Schwennicke und sein Vize Alexander Marguier gründen in Berlin den Res Publica Verlag und übernehmen von Ringier „Cicero“ und das Kunstmagazin „Monopol“.

Der Scheizer Verleger Michael Ringier, 66, der einst in Deutschland das journalistische Handwerk gelernt hat, liebt intelligente Debatten und sammelt Kunst. Es war also viel Leidenschaft im Spiel, als er 2004 in Berlin das Debattenmagazin „Cicero“ gründete und 2006 das bis von Florian Illies und weiteren ehemaligen Redakteuren der „FAZ“ betriebene Kunstmagazin „Monopol“ gekauft hat. Später hat er „Cicero“ noch „Literaturen“ einverleibt. Der deutsche Standort sollte durch weitere Akquisitionen wachsen. Stattdessen wurde Personal abgebaut.

Mit dem seit April 2012 als Ringier-Konzernchef fungierenden Marc Walder teilt Michael Ringier die Leidenschaft für Tennis, weniger die für anspruchsvollen, zumal gedruckten Journalismus. Walder investiert in Digitales und E-Commerce. Die beiden Berliner Nischenblätter sind für ihn wachstumshemmende Verlustbringer. Das Debattenmagazin „Cicero“ verkauft monatlich 84.000 Hefte, das ebenfalls monatlich erscheinende „Monopol“ gibt als Druckauflage 40.000 an.

Nun hat Ringier einen Schlussstrich gezogen. „Cicero“-Chefredakteur Christoph Schwennicke und sein Vize, Alexander Marguier, haben beschlossen, ihr Magazin mitsamt „Monopol“ von Ringier zu übernehmen. Sie haben in Berlin den Res Publica Verlag gegründet. Dort erscheinen die beiden Titel von Mai an. „Monopol“-Chef Holger Liebs gibt die Chefredaktion ab. Auch Anne Sasse, Co-Geschäftsführerin der deutschen Ringier-Tochter verlässt das Unternehmen.

Thorsten Thierhoff dagegen wird bis 2017 den Start von Res Publica begleiten. Ebenfalls geklärt ist, dass von sofort an iq media marketing in Düsseldorf für das Anzeigengeschäft der beiden Magazine zuständig sein wird. Dadurch wird es in der bisherigen Anzeigenabteilung in Berlin und München zu betriebsbedingten Entlassungen kommen. Dasselbe gilt für die Redaktionen.

Christoph Schwennicke, 49, lange Jahre bei der „Süddeutschen“, bevor er zum „Spiegel“ wechselte, ist seit knapp vier Jahren Chefredakteur von „Cicero“. Alexander Marguier wurde seinerzeit von Schwennickes Vorgänger Michael Naumann als konservative Stimme von der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ geholt. usi

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