Madsack und der NDR Medienkrach im Norden

Mittwoch, 21. Dezember 2016
In dem NDR-Bericht geht es unter anderem um die "Kieler Nachrichten"
In dem NDR-Bericht geht es unter anderem um die "Kieler Nachrichten"
Foto: NDR (Screenshot)

Der NDR berichtet über die Strategie des Zeitungshauses Madsack in Schleswig-Holstein. Madsack moniert sachliche Fehler und journalistische Unfairness. Der NDR entschuldigt sich. Alles erledigt? Längst nicht.
"Ich mache das normalerweise nicht", so beginnt ein Brief von Madsack-Chef Thomas Düffert an den NDR-Intendanten Lutz Marmor. Aber einen TV-Beitrag im Schleswig-Holstein-Magazin des NDR empfand der Verlagsmanager offenbar als derartig einseitig und voreingenommen, dass er seinen Ärger nicht länger für sich behalten wollte. "Ihre Kollegen haben sich mit festem Ziel im Blick von Gewerkschaften und Betriebsräten instrumentalisieren lassen", schreibt Düffert. Und: "Ja, der Hinweis darf nicht fehlen: mit Gebührengeldern."
In der Sache ist die Beschwerde von Düffert völlig berechtigt. In dem Magazin-Betrag, der am 13. Dezember ausgestrahlt wurde, übernahmen die Autoren offenbar ungeprüft Falschbehauptungen aus einem Flugblatt der Gewerkschaft Verdi - etwa die, dass die "Kieler Nachrichten" und die "Lübecker Nachrichten" Madsack "gehören". Tatsächlich hält Madsack in Kiel nur eine Minderheitsbeteiligung. Weiter hieß es, Madsack habe Reporter aus den Lokalredaktionen in Schleswig-Holstein abgezogen, auch das stimmt nicht. Und bei der Darstellung, wie die Lokalredaktionen zusammenarbeiten, ging einiges durcheinander.

Auch dem NDR scheint die Sache peinlich geworden zu sein. Jedenfalls entschuldigten sich die Moderatoren des Regionalmagazins am Tag darauf dafür, dass der Redaktion "Fehler unterlaufen" seien. Und der Sender löschte den Beitrag aus seiner Mediathek.

Damit könnte das Thema erledigt sein. Dass Düffert sich trotzdem noch persönlich an Marmor wandte, deutet darauf hin, dass es ihm nicht nur um ein paar sachliche Fehler geht, wie sie auch in den Madsack-Blättern vorkommen. Es geht ums große Ganze, um die Haltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zur privaten Medienkonkurrenz und um journalistische Grundsätze.

In dem umstrittenen TV-Beitrag werden solche Grundsätze souverän ausgeblendet. Fünfeinhalb  Minuten widmet der NDR dem Thema Zeitung, und zu Wort kommen ausführlich zwei Protagonisten: Martin Dieckmann, Verdi-Chef im Norden, und Karin Luther, die Betriebsratsvorsitzende der "Lübecker Nachrichten". Die Position der Verleger, der Geschäftsführung? Ein Chefredakteur? Nichts dergleichen. Eine sachliche Darstellung, wie Madsack einen regionalen Zeitungsverbund im Norden knüpft, um trotz tiefgreifender Marktveränderungen Print- und Digitaljournalismus, regional und überregional, finanzieren zu können? Fehlanzeige. Am Ende fragt der Reporter vor Ort die Betriebsrätin, ob sie denn glaube, dass jetzt "das Ende der Fahnenstange bei den Sparmaßnahmen erreicht" sei. Und, was soll die arme Frau auch sonst anworten: Natürlich nicht, es wird bestimmt noch schlimmer kommen.

"Vielleicht", schreibt Düffert, "ist es an der Spitze des NDR einmal Zeit zu fragen, ob das eigentlich so sein muss." Eine Antwort von Lutz Marmor steht noch aus. Natürlich werde es sie geben, heißt es beim NDR.
Meist gelesen
stats