MA Print Heftige Reichweitenverluste für "FAZ", "Bild" und Co / Magazine stabiler

Mittwoch, 23. Juli 2014
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Grundsätzlich minimal sinkende Print-Reichweiten - doch höhere Ausschläge nach oben und vor allem nach unten in Einzelfällen: So lautet der Befund der aktuellen Media-Analyse MA 2014 Pressemedien II, die am heutigen Mittwoch veröffentlicht wurde. Gewaltige Unterschiede gibt es vor allem zwischen Zeitungen und Zeitschriften. Der größte Gewinner unter den via Abo/Kiosk erhältlichen Zeitschriften - also ohne Mitgliederhefte und Supplements - ist Bauers "TV 14", das gegenüber der letzten Untersuchung 250.000 Leser hinzugewinnt und nun in Deutschland über 7,1 Millionen Menschen ab 14 Jahren erreicht. Den "Spiegel" lesen laut neuer MA nun 200.000 Leute mehr - insgesamt 6,1 Millionen Menschen. Die nächsten Plätze auf der Gewinnerliste: Gruner + Jahrs "Essen & Trinken" (plus 200.000 auf 1,3 Millionen), Funkes Neuerwerb "Hörzu" (plus 180.000 auf knapp 4 Millionen), nach längeren Reichweitenverlusten nun zum 2. Mal in Folge Burdas "Focus" (plus 160.000 auf 4,5 Millionen) und "Instyle" (plus 140.000 auf knapp 1,6 Millionen).

Ein Evergreen bei jeder MA: Das Stirnrunzeln über (vermeintlich oder tatsächlich) unplausible, weil stabile oder gar steigende Reichweitenwerte, die manchmal (vermeintlich oder tatsächlich) nicht zu den meist sinkenden Auflagen passen. In seiner Bezahlausgabe hat HORIZONT in der vergangenen Woche (Ausgabe 29/2014, erschienen in Print und E-Paper am Donnerstag, 17. Juli) diese Phänomene ausführlich analysiert und wird das Thema auch in der kommenden HORIZONT-Ausgabe 31/2014 aufgreifen, die am Donnerstag, 31. Juli erscheint.

Die absolut größten Reichweitenverluste muss "PC Welt" verbuchen; der IDG-Titel büßt 340.000 Leser ein und landet nun bei einer Verbreitung von 1,5 Millionen. Schlechte Zahlen auch bei Burdas "Freizeit Revue" (minus 250.000 auf 2,5 Millionen), "Reader's Digest" (minus 240.000 auf 1,3 Millionen), Bauers "Das neue Blatt" (minus 230.000 auf 1,6 Millionen), Bauers "Welt der Wunder" (minus 230.000 auf 1,4 Millionen), Burdas "TV Spielfilm" (minus 200.000 auf knapp 5 Millionen) und Axel Springers "Computer Bild" (minus 190.000 auf 3,4 Millionen).

Generell bleibt die Zeitschriftennutzung hierzulande auf hohem Niveau fast stabil: 91,3 Prozent der über 14-Jährigen in Deutschland lesen Magazine, das sind mehr als 64 Millionen Leser. In der vorherigen MA 2014 Pressemedien I lag die Gesamtreichweite der ausgewiesenen Titel bei 91,5 Prozent. Dass trotz dieses leichten prozentualen Verlusts die absolute Anzahl der Leser im Nachkommabereich minimal wächst (von 64,35 auf 64,39 Millionen), erklärt die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA) mit der aktuellsten amtlichen Bevölkerungsstatistik, wonach jetzt mehr Menschen in Deutschland leben als früher. So ist die deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren (und damit die Grundgesamtheit der Presse-MA) im Vergleich zur letzten MA um 198.000 auf 70,524 Millionen Menschen angewachsen.

Die Programmies bleiben mit 59,8 Prozent die reichweitenstärkste Gattung, gefolgt von den aktuellen Zeitschriften (44,4 Prozent), der Motorpresse (28,8 Prozent), den wöchentlichen (28,2 Prozent) und den monatlichen Frauenzeitschriften. Durch zwei Neuzugänge ("Meins", "Women's Health") stieg bei letzteren die Gesamtreichweite im Segment deutlich an - von 14,2 auf 14,9 Prozent.

Und bei den großen Zeitungen? Viel mehr Minus als Plus. Wegen ihrer nach wie vor riesigen Reichweite schlagen bei "Bild" hier rund 7 Prozent Minus mit einem Leserverlust (der Papierausgabe) in Höhe von 830.000 Menschen heftig zu Buche. Deutlich verloren haben auch "Süddeutsche Zeitung" (minus 140.000 auf 1,3 Millionen Leser), "FAZ" (minus 120.000 auf 750.000) und die "Welt" (minus 90.000 auf 700.000). In Prozentwerten liest sich das Minus noch erschreckender: "FAZ" minus 14 Prozent, "Welt" minus 11 Prozent, "SZ" minus 10 Prozent. Das "Handelsblatt" immerhin bleibt stabil bei 480.000 Lesern.

Angesichts dieser Print-Horrorzahlen warten vor allem die Zeitungsverlage sehnsüchtig auf die im Herbst anstehende crossmediale (Marken-) Reichweitenstudie MA 2014 Intermedia, die die steigenden E-Paper- und Online-Nutzungen statistisch sauber integrieren soll. Die Verlage erhoffen sich davon einen Stopp des negativen Gesamtbildes in den Reichweitenstudien - und dadurch neues Selbstbewusstsein für ihren Auftritt im Werbemarkt.

Die Gesamtreichweite aller Zeitungen liegt bei 44,6 Millionen deutschsprachigen Personen ab 14 Jahren, was einer Reichweite von 63,2 Prozent (Vorjahr: 64,7) entspricht, so die AG.MA. Regionale Abozeitungen, deren Reichweite nur um 0,5 Prozentpunkte gesunken ist, werden täglich von mehr als der Hälfte der Bevölkerung gelesen (51,1 Prozent), Kaufzeitungen von knapp einem Fünftel (18,1 Prozent) und überregionale Tageszeitungen von 4,7 Prozent. Deren Gesamtreichweite sank um 0,6 Prozentpunkte, die der Kauftitel um 1,4 Prozentpunkte, die aller Abo-Zeitungen um 0,8 Punkte. rp
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