Lokalzeitungen Warum Verlage Digital Natives nicht verloren geben sollten

Montag, 28. September 2015
Junge Leute haben durchaus Interesse an Lokalem
Junge Leute haben durchaus Interesse an Lokalem
Foto: Colourbox

Die Generation der Digital Natives schätzt Lokalzeitungsjournalismus. Doch die Verlage interessieren sich nur unzureichend für die Bedürfnisse dieser Zielgruppe. Allein deshalb – und nicht etwa wegen ihres besonderen Informationsverhaltens oder wegen ihres angeblichen grundsätzlichen Desinteresses – wenden sich viele Menschen um die 30 Jahre von den Lokalzeitungen und von deren Digitalangeboten ab.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Michael Haller, Forschungschef an der Hamburg Media School. Zwar interessieren sich die jungen Leute mit im Durchschnitt nur 3,5 lokalen Themen für weniger Regionales als die 35- bis 55-Jährigen (4,7 Themen), doch das Interesse verbreitert sich bei den Digital Natives mit ihrem Reifen und sesshaft werden: Die älteren Jahrgangskohorten (33 bis 35 Jahre) interessieren sich für deutlich mehr Themen als die 23- bis 28-Jährigen. Auffällig ist dies bei der Kommunalpolitik (53 gegenüber 41 Prozent Zustimmung) und bei Themen wie Stadtentwicklung (31 versus 16 Prozent). „Die jungen Erwachsenen eignen sich nach und nach die tradierten Lebensstile an“, schreibt Haller in „Drehscheibe“, dem Magazin für Lokaljournalisten der Bundeszentrale für politische Bildung. „Man bräuchte also die Medien nicht neu zu erfinden, man müsste sie nur zielgruppen- und interessengerecht aufbereiten und kanalrichtig anbieten“, so Haller.

Allerdings missfällt dem Nachwuchs, dass die Lokalberichterstattung zu stark die Perspektive der Akteure aus Politik und Wirtschaft übernehme, was sich am hohen Anteil von „Einquellentexten“ zeige. „Vor allem die besser ausgebildeten Digital Natives wissen mit Verlautbarungsjournalismus nicht viel anzufangen“, so Haller. Diese Kritik gelte auch den Web-Auftritten der Zeitungen. Für die Studie wurden mit dem Institut Trend Research und dem Netzwerk Xing in einem Panel 1700 Teilnehmer alle vier Wochen per E-Mail befragt. rp
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