Lokalradio Start von Regenbogen Zwei wirft Fragen auf

Mittwoch, 22. Juni 2016
Klaus Schunk ist Geschäftsführer von Radio Regenbogen
Klaus Schunk ist Geschäftsführer von Radio Regenbogen
Foto: VPRT

Überraschung im Radiomarkt: Voraussichtlich am 1. Juli wird in der Region Mannheim/Heidelberg das Lokalradio Regenbogen Zwei starten und den bisherigen Anbieter Sunshine Live ablösen. Die Umstände werfen jedoch Fragen auf.

Das neue Programm wird wie sein Vorgänger in Mannheim beheimatet sein und wird von der LRM Lokalradio Mannheim getragen, an der die Gesellschafter von Sunshine Live, die Rhein-Neckar-Odenwald Radio (RNO) und Radio Regenbogen jeweils 50 Prozent halten. Die Landesanstalt für Kommunikation (LfK) hat dem neuen Sender bereits grünes Licht erteilt, auch das Bundeskartellamt hatte dem Vernehmen nach keine Bedenken gegen das Joint-Venture.

Mit Regenbogen Zwei erhält der Mannheimer Regionalsender Radio Regenbogen ein zusätzliches Standbein in der wirtschaftsstarken Rhein-Neckar-Region und kann damit seine Position im Wettstreit mit dem SWR, RPR 1, Rockland Radio und weiteren einstrahlenden Sendern stärken. "Wir waren mit Radio Regenbogen gefühlt schon immer ein Lokalsender für die Region. Jetzt werden wir ein solches Programm auch für eine andere Zielgruppe veranstalten", erklärt Klaus Schunk, Geschäftsführer von Radio Regenbogen, gegenüber HORIZONT Online. Der neue Lokalsender will mit einer Mischung aus Rock- und Pop-Hits sowie lokaler Information eine eher männlich geprägte Zielgruppe mittleren Alters ansprechen, während das seit 1988 bestehende Regionalprogramm Radio Regenbogen frauenaffiner ist und nicht so ausführlich über das örtliche Geschehen in Rhein-Neckar berichten kann wie der Neuling.
„Wir waren mit Radio Regenbogen gefühlt schon immer ein Lokalsender für die Region. Jetzt werden wir ein solches Programm auch für eine andere Zielgruppe veranstalten.“
Klaus Schunk
Sunshine Live will sich nach den Worten von Geschäftsführer Ulrich Hürter stärker auf die digitale Verbreitung konzentrieren und sieht sich als Programm für das gesamte Bundesgebiet. Sunshine Live wird bundesweit über den Digitalradiostandard DAB+ verbreitet und hat sein Angebot an Webstreams ausgebaut; zudem ist der Sender im Kabel und über Satellit zu empfangen und behält seine UKW-Frequenzen in Stuttgart, Rostock und Stralsund.

Die vier UKW-Kapazitäten im Rhein-Neckar-Gebiet, die an die Verbreitung eines lokal geprägten Radioprogramms geknüpft sind, überlässt Sunshine künftig hingegen Regenbogen Zwei. Senderchef Hürter ist zwar auch künftig an UKW-Frequenzen interessiert, allerdings nur, wenn diese nicht an lokale Auflagen geknüpft sind. Zudem wird Sunshine Live künftig nicht mehr in Mannheim, sondern in Berlin produziert, weil sich dort das Zentrum der elektronischen Musik befindet, so Hürter. Obwohl sein Programm künftig nicht mehr über UKW in der Region zu hören ist, bleibt Hürter nach eigen Bekunden weiter an ihr interessiert und will mit Regenbogen als Partner ein neues Programm etablieren.

Den Wechsel von Sunshine Live zu Regenbogen Zwei bezeichnet Hürter als "lizenzrechtlich äußerst schwierig". Und in der Tat wirft er Fragen auf: Das Landesmediengesetz von Baden-Württemberg erlaubt zwar die Übertragung einer Zulassung während der ersten drei Jahre nach Lizenzerteilung. Allerdings dürfen nicht mehr als 50 Prozent der Kapital- und Stimmrechte auf andere Gesellschafter oder Dritte übertragen werden. Diese beiden Voraussetzungen haben RNO und Radio Regenbogen bei der Gründung ihres Gemeinschaftsunternehmens wohl erfüllt.
BR Puls
Bild: Screenshot: BR.de

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Im Gesetz steht aber auch, dass eine solche Zulassungsübertragung nicht mit einem wesentlich anderen Programmkonzept oder einer Änderung des Programmnamens erfolgen darf. Dies aber geschah: Anstelle von Techno bekommen die Hörer in Rhein-Neckar nun Rock und Pop zu hören, ergänzt um mehr lokale Information für eine breiter gefasste Zielgruppe; der Mainstream-Sender Regenbogen Zwei ersetzt das Special-Interest-Radio Sunshine Live. Dennoch hat der Vorstand der LfK den Programmwechsel nach "starken Diskussionen" gebilligt und eine Ausschreibung für unnötig befunden, wie Sprecher Axel Dürr erklärt. Das Landesmediengesetz gebe ein solches Vorgehen her, zudem entstünde durch das Programmkonzept von Regenbogen Zwei "mehr Vielfalt in der Region".

Der Deal ist auch mit Blick auf die Gesellschafter interessant. So baut die Medien Union ihren Einfluss in der Region weiter aus. Der Ludwigshafener Medienriese und Eigentümer der "Rheinpfalz" ist bereits über seine Rundfunkbeteiligungsgesellschaft Moira maßgeblich an Radio Regenbogen, Sunshine Live und RPR 1 beteiligt. Die Medien Union hält auch eine geringe Beteiligung am "Mannheimer Morgen", die sie aufstocken möchte. Zudem ist ihre Moira Ende 2013 bei der Berliner Hörfunkholding Regiocast eingestiegen, die wiederum über ihre Beteiligung Eurocast bei Sunshine Live engagiert ist. Mit dem Start von Regenbogen Zwei entsteht also nicht mehr Pluralität im Medienmarkt Rhein-Neckar. Guido Schneider

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