Lesezirkel Suche nach digitalem Geschäftsmodell / Stabiler Umsatz 2013

Donnerstag, 15. Mai 2014
Günther Hildebrand
Günther Hildebrand

Die selbständigen Lesezirkel-Anbieter in Deutschland loten die Zukunftsfähigkeit ihres Geschäftsmodells im digitalen Zeitalter aus - mit akademischer Hilfe. Immerhin konnten die derzeit noch rund 110 Betriebe (2011: rund 140) zuletzt stabile Umsätze verbuchen. So haben die Anbieter von Lesezirkeln (LZ) im vergangenen Jahr mit der Vermietung von Magazinmappen Erlöse von insgesamt 155,7 Millionen Euro erzielt, das sind 0,6 Prozent mehr als 2012. Hinzu kommen 22,5 Millionen Euro aus der Vermarktung von Werbung auf den Umschlagsseiten; das sind (nach Jahren mit starken Rückgängen) wieder 9 Prozent mehr als 2012. Als Grund dafür gibt Günther Hildebrand, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Leserzirkel, die stabile LZ-Reichweite an - die allerdings auch in den Vorjahren stabil war. Aktuell erreichen die LZ-Mappen 12,3 Millionen Leser (MA 2014/I). Insgesamt stiegen die LZ-Erlöse (Vermietung und Vermarktung) damit um 1,6 Prozent auf 178 Millionen Euro.

Und die Zukunft? Der LZ muss versuchen, sein Geschäftsmodell der Mehrfachvermietung von Zeitschriftensortimenten ("Lesemappen"), das im Wesentlichen auf ziemlich analoger Logistik beruht - Zusammenstellung von Zeitschriften, Verteilung der Mappen an Kunden (Haushalte, Arztpraxen, Friseure), nach einer Woche wieder einsammeln und neu verteilen -, ins digitale Zeitalter zu retten. Bisher liefen erste Versuche mit digitalen Zusatzexemplaren gegen Aufpreis. Doch viele Verlage möchten das digitale Geschäft am liebsten selbst übernehmen, mit eigenen Kundenkontakten. Entsprechend zäh laufen die Gespräche.

"Um der Komplexität der Gesamtthematik gerecht zu werden und ein zukunftsfähiges Modell zu entwickeln", arbeitet der LZ-Verband mit der Hochschule für Medien und Kommunikation (Macromedia) in München zusammen. In der kommenden Woche sollen erste Ergebnisse präsentiert werden. Sie "führen zu der Erkenntnis, dass ein erfolgreiches Geschäftsmodell dem Nutzer deutlich mehr bieten muss, als Printinhalte auf digitale Endgeräte zu projizieren", verrät Hildebrand schon jetzt.

Bisher stützt der LZ die Auflagen und Reichweiten der mittlerweile 322 Zeitschriftentitel in seinem Angebot, ohne Remissionsrisiko für die Verlage. Die LZ-Anbieter erhalten günstigere Einkaufskonditionen, als einzige Pressevertriebssparte ohne feste Handelsspanne und Preisbindung. Auch für 2013 beklagt Hildebrand gestiegene Kosten für Neuakquise, Kraftstoffpreise und Abgabepreise der Verlage, außerdem sinkende Erlöse aus dem Altpapiergeschäft. rp

Meist gelesen
stats