Legendäre Mailbox-Aufnahme "Bild" veröffentlicht Wulffs Nachricht an Kai Diekmann im Wortlaut

Mittwoch, 26. Februar 2014
"Bild" veröffentlicht die Nachricht Wulffs an Kai Diekmann (Bild: Screenshot bild.de)
"Bild" veröffentlicht die Nachricht Wulffs an Kai Diekmann (Bild: Screenshot bild.de)


Mehr als zwei Jahre liegt der Rücktritt von Ex-Bundespräsident Christian Wulff nun schon zurück. Die "Bild"-Zeitung, die mit ihren Recherchen die Affäre einst ins Rollen brachte, räumt nun mit einem der größten Mythen rund um Wulffs Rücktritt auf: Parallel zur Ausstrahlung des Spielfilms "Der Rücktritt" auf Sat 1 veröffentlichte die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe die legendäre Nachricht, die das ehemalige Staatsoberhaupt "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann auf die Mailbox sprach, im Wortlaut. Es ist ein letzter großer Sieg der Zeitung über den ehemaligen Bundespräsidenten. Die Investigativ-Redakteuere Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch hatten Wulff Mitte Dezember 2011 mit ihren Recherchen zu einem Privatkredit des Bundespräsidenten konfrontiert. Dieser war damals in der Golfregion unterwegs und sah als letzten Weg, eine Veröffentlichung zu verhindern, wohl nur noch einen Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann. Der konnte den Anruf jedoch nicht annehmen, so dass Wulff ihm auf die Mailbox sprach.

Der Inhalt der Nachricht ist seither sagenumwoben. Bislang kamen nur Versatzstücke aus dem Gespräch an die Öffentlichkeit. So habe Wulff vom "endgültigen Bruch mit dem Springer-Verlag" gesprochen. Für ihn und seine Frau sei "der Rubikon überschritten", auch von "Krieg" war die Rede. Viel mehr bekam die Öffentlichkeit nicht zu hören, Diekmann spielte die Nachricht seinerzeit nur einigen wenigen Journalisten vor. Nun, da die Aufnahme mit dem Spielfilm "Der Rücktritt" den Weg ins Fernsehen gemacht hat, beendet die "Bild" öffentlichkeitswirksam - und wohl auch sehr klickträchtig - die Geheimniskrämerei und stellte parallel zur Ausstrahlung des Films eine Abschrift der Nachricht ins Internet.

"Ich bin in vier Golfstaaten unterwegs und parallel plant einer Ihrer Journalisten seit Monaten eine unglaubliche Geschichte, die morgen veröffentlicht werden soll und die zum endgültigen Bruch mit dem Springer-Verlag führen würde", beginnt Wulff das Gespräch. Es folgt die Bitte um eine Unterredung mit den "Bild"-Leuten, "dann können wir entscheiden, wie wir die Dinge sehen und dann können wir entscheiden, wie wir den Krieg führen." Wenig später folgt der legendär gewordene Satz: "Und jetzt werden andere Geschichten behauptet, die Unsinn sind. Und da ist jetzt bei meiner Frau und mir einfach der Rubikon in dem Verhalten überschritten."

Bislang hatte die "Bild" von einer Veröffentlichung der Nachricht abgesehen - obwohl Wulffs Anwalt seinerzeit angedeutet hatte, dass sein Mandant eine Veröffentlichung nicht fürchte. In künstlerischer Form sind weite Teile der Nachricht allerdings schon an die Öffentlichkeit gekommen: Der Berliner Künstler Clemens von Wedel hatte Versatzstücke der Aufnahme zu einem Mosaik-Gemälde zusammengefügt. Das Werk wurde öffentlich ausgestellt und erschien im Magazin "Cicero".



Die "Bild" postete den Link zu der Meldung mit der Abschrift gestern Abend auch auf Facebook. Dort sind viele User überhaupt nicht erfreut: "Da war nicht ein Wort eine Drohung. Die Bild hat diesen Mann kaputt gemacht", echauffiert sich etwa ein User, "Was die Bild hier gemacht hat, ist eine absolute, bodenlose Unverschämtheit!!!!" ein anderer. Aktuell sind über 170 Kommentare zu dem Posting eingegangen. ire
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