Lautstärke in Trump-Post Wie Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke die Vorwürfe von Bild-Chef Julian Reichelt kontert

Montag, 29. Januar 2018
Über diesen Post der Tagesschau ist eine Diskussion im Netz entbrannt
Über diesen Post der Tagesschau ist eine Diskussion im Netz entbrannt
© Tagesschau via Twitter
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Manipulation Kai Gniffke Donald Trump Julian Reichelt WEF


Ein Social-Media-Post der Tagesschau sorgte am Wochenende für Diskussionen. Dabei musste sich die Redaktion unter anderem dem Vorwurf der Manipulation stellen. Zum Hintergrund: Die Tagesschau zeigt im Post eine Rede von US-Präsident Donald Trump beim World Economic Forum in Davos, in der er die Presse als "hinterhältig, gemein, böse und falsch" bezeichnet. Dafür erntete er offenbar Buhrufe, die im Originalclip allerdings nicht zu hören waren. Aus diesem Grund regelte die Tagesschau die Tonspur mit den Aufnahmen aus dem Saal lauter. Das erklärte die Redaktion in einem weiteren Tweet - der Auslöser für den folgenden Diskurs.

Legitime Maßnahme oder Manipultation? Darüber ist sich das Netz uneins. Bild-Chef Julian Reichelt mischt sich unter die Kritiker. "Klare Grenzüberschreitung einer Nachrichtensendung", twittert er an Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke, und fügt an: "schwer vorstellbar, dass Sie dasselbe bei Applaus getan hätten. Ein Fall für Zapp!". In weiteren Tweets bemängelt er die fehlende Einordnung der Redaktion, wer und wie viele Personen im Raum "Buh" gerufen haben.
Gniffke äußerte sich mittlerweile in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen und erklärt das Vorgehen der Redaktion. Das Mikrofon der Redaktion habe am Rednerpult gestanden, nicht im Saal. Deswegen sei der Tonpegel bei Trumps Sätzen niedriger. Um die Informationen der Korrespondenten zu belegen, habe man dann die Aufnahmen der Nebengeräusche im Raum höher geregelt. Für Gniffke ist dies weder unzulässig noch Manipulation, denn es sei der Originalton, bei dem nichts erfunden, unterdrückt oder hinzugefügt worden sei.

Außerdem fügt der Tagesschau-Chefredakteur an, dass solch ein Vorgehen auch in anderen Gattungen gang und gäbe sei. So zeige man bei Kameraaufnahmen oft nur einen bestimmten Ausschnitt, um ihn besser erkennen zu können. "Vergleichbar gehen übrigens auch Zeitungen vor, wenn sie Bildausschnitte vergrößern und eventuell noch mit einem roten Kreis markieren", fügt Gniffke an. "Niemand käme hier auf die Idee, dies Manipulation zu nennen, sondern eher journalistische Präzision." Trotz aller Kritik zeigt sich der Journalist froh über die Diskussion: Auf Stellungnahmen der Tagesschau zu einem Diskurs oder aufkommenden Fragen hätten die User Anspruch. bre
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