Lauda-Cover der "Titanic" Presserat liegt schon erste Beschwerde vor

Mittwoch, 05. Februar 2014
Das umstrittene Cover der Februarausgabe der "Titanic" (Bild: Titanic)
Das umstrittene Cover der Februarausgabe der "Titanic" (Bild: Titanic)

Wie weit darf Satire gehen? Diese Frage stellt sich heute drängender denn je. Grund dafür ist das Cover der aktuellen "Titanic": Die Satire-Zeitschrift zeigt auf ihrer Titelseite das Gesicht des seit einem Feuerunfall gezeichneten Ex-Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda, darunter die Schlagzeile: "Erstes Foto seit dem Unfall: So schlimm erwischte es Schumi". Lauda ist empört - und nicht nur er: Wie HORIZONT.NET erfuhr, liegt dem Deutschen Presserat bereits eine Beschwerde gegen das Cover vor. "Das Cover ist eine bodenlose Frechheit, absolut indiskutabel und völlig pietätlos. Wer bitte druckt so einen Schwachsinn?", so der Österreicher gegenüber heute.at. Lauda war 1976 beim Rennen auf dem Nürburgring mit seinem Boliden verunglückt, wobei sein Gesicht durch Feuer schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde - die Brandnarben sind bis heute sichtbar. Michael Schumacher war am 29. Dezember beim Skifahren in den französischen Alpen gestürzt. Der siebenmalige Formel-1-Weltmeister zog sich dabei schwere Kopfverletzungen zu und rang zeitweise um sein Leben. Inzwischen soll Schumacher Gerüchten zufolge langsam aus dem künstlichen Koma aufgeweckt werden.

Zwar ist die "Titanic" nicht dafür bekannt, besonders zimperlich vorzugehen - dass die Unfälle von Lauda und vom immer noch in kritischem Zustand befindlichen Schumacher nun in Beziehung zueinander gesetzt werden, sorgt auf Twitter aber dennoch für herbe Kritik:







Die Empörung ist offenbar so groß , dass sich womöglich auch der Deutsche Presserat demnächst mit dem "Titanic"-Cover beschäftigen muss: Es sei bereits eine Beschwerde eingegangen, wie eine Sprecherin des Gremiums auf Anfrage von HORIZONT.NET bestätigte. Auch von Medien in anderen Ländern wird das umstrittene Cover aufgegriffen: So berichten etwa die britischen Zeitungen "Daily Mail" und "Daily Mirror" darüber. Auf der Insel genießt die "Titanic" einen zweifelhaften Ruf, seit sie sich vor einigen Jahren über den Fall der bis heute verschwundenen Madeleine McCann lustig machte. Es gibt aber auch Stimmen, die dieser Art von Satire eine Daseinsberechtigung attestieren:



Die "Titanic" selbst reagiert in der ihr eigenen Weise: "Die Kritik von Herrn Lauda macht uns betroffen", zitiert Spiegel Online aus einer Stellungnahme von "Titanic"-Chefredakteur Tim Wolff. "Immerhin gelang es uns, als erstes Boulevardmedium noch vor 'Bild', 'Bunte' und der 'Tagesschau' ein Foto des verunfallten Nationalhelden Michael Schumacher zu veröffentlichen." Man habe "unter Einhaltung der üblichen journalistischen Moralstandards einen Investigativ-Reporter als Krankenschwester verkleidet und in die Grenobler Klinik geschickt. Sollte es dabei zu einer tragischen Verwechslung mit einem anderen prominenten Crashpiloten gekommen sein, bedauern wir das ein bisschen", heißt es in der Erklärung weiter. Zurückgerudert wird - natürlich - nicht.

Nun wird man abwarten müssen, ob der Presserat den Fall aktuell diskutiert und zu welchem Ergebnis er kommt. Möglicherweise folgt wieder eine Rüge wie bei dem umstrittenen Papst-Cover im Jahr 2012. Dafür wird aber auch folgende Frage zu klären sein: Wenn Persönlichkeitsrechte durch das Titelbild verletzt werden, wer ist dann betroffen: Lauda, Schumacher, beide? Und noch einen wunden Punkt berührt das Cover: Schumachers Frau Corinna hatte sich bereits frühzeitig über die exzessive Berichterstattung einiger Medien beschwert und Zurückhaltung eingefordert. ire
Meist gelesen
stats