Thomas Gottschalk Filmverband fordert vom WDR Aufklärung über Millionenhonorar

Dienstag, 26. Mai 2015
Die gefloppte Vorabendshow "Gottschalk Live" holt den WDR wieder ein
Die gefloppte Vorabendshow "Gottschalk Live" holt den WDR wieder ein
Foto: WDR

Der WDR steht wegen der am Pfingstwochenende bekannt gewordenen Honorarvereinbarungen mit Thomas Gottschalk massiv unter Druck. Der Filmverband Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm fordert von WDR-Intendant Tom Buhrow Aufklärung über die Millionengage für die 2012 eingestellte Sendung "Gottschalk Live".
Die 2012 grandios gefloppte Vorabendshow "Gootschalk Live" holt den WDR noch einmal ein. Nachdem Details über die Honorarvereinbarungen zwischen dem WDR und Moderator Thomas Gottschalk öffentlich geworden sind, hagelt es Kritik an der Sendeanstalt. Selbst der Verdacht der Untreue steht im Raum, weil Gottschalk womöglich auch Geld erhalten hat, für das keine Gegenleistung erbracht wurde. Öffentlich gemacht wurden Details aus dem in der Branche bereits seit Tagen kursierenden "Letter of Intent" zwischen Gottschalk und der Produktionsfirma Grundy Light Entertainment sowie der WDR Mediagroup von der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm. Den unter knappen Produktionsbudgets ächzenden kleinen Produktionsfirmen stoßen die üppig dotierten Verträge für Thomas Gottschalk verständlicherweise sauer auf. 

"Vor dem Hintergrund der immer schwieriger werdenden Finanzlage in der freien Produktionswirtschaft lösen solche Informationen, wie sie sich sicher vorstellen können, nicht nur Erstaunen, sondern auch Verägerung aus", schreibt der Vorsitzende und Geschäftsführer des Verbands, Thomas Frickel in einem Brief an WDR-Intendant Thomas Buhrow.

Insgesamt belief sich das Honorar für Gottschalk laut der nun aufgetauchten Verträge auf 5 Millionen Euro - 4,6 Millionen Euro für die Moderation von "Gottchalk Live", dazu kamen noch einmal 400.000 für zwei Abendshows. "Gottschalk Live" wurde wegen schlechter Einschaltquoten vorzeitig beendet - von den geplanten 144 Sendungen wurden lediglich 70 produziert. Daher steht nun die Frage im Raum, ob Gottschalk 2,7 Millionen Euro ohne Gegenleistung erhalten hat. "Gab es Gründe dafür, eine nicht erbrachte Leistung so fürstlich zu entlohnen?", fragt Verbandschef Frickel in dem Schreiben.

Im Zusammenhang mit den beiden vereinbarten, aber nie produzierten Abendshows wirft Frickel sogar juristisch heikle Fragen auf: "Wurde dieser Fall von Leistung ohne Gegenleistung jemals rechtlich überprüft? Wenn ja, von wem? Und was hat diese Prüfung in Hinblick auf einen möglichen Untreuetatbestand ergeben?" Die deutsche Produktionswirtschaft, aber auch die Öffentlichkeit habe ein großes Interesse an der Klärung dieser Fragen.

Der WDR bestätigte den Eingang des Schreibens. Man sei dabei, die Fakten zu überprüfen, teilte eine Sprecherin mit. Dabei sei Seriosität wichtiger als Schnelligkeit. WDR-Intendant Buhrow war in dem fraglichen Zeitraum noch Moderator bei den "Tagesthemen". Die Verträge mit Gottschalk wurden noch unter Buhrows Vorgängerin Monika Piel ausgehandelt. dh
Meist gelesen
stats