Kritik DJV fordert Stopp der "Bild"-Aktion gegen Griechenland-Hilfe

Freitag, 27. Februar 2015
Der Aufruf der "Bild"-Zeitung
Der Aufruf der "Bild"-Zeitung
Foto: Bild-Zeitung

Der Deutsche Journalistenverband hat die "Bild"-Zeitung aufgefordert, ihre Selfie-Aktion gegen neue Finanzhilfen für Griechenland zu stoppen. Die Aktion überschreite die Grenze zur politischen Kampagne. Bild-Chef Kai Diekmann bedankt sich beim DJV für die "großartige PR" und verweist auf Vorbilder wie Henri Nannen und Rudolf Augstein.
In ihrer heutigen Ausgabe und auf Bild.de fordert die Boulevardzeitung ihre Leser dazu auf, sich mit der "Bild"-Seite mit dem Aufruf "Nein! Keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen!" zu fotografieren und die Bilder an die Redaktion zu schicken. Die Resonanz auf den Aufruf ist enorm. "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann vermeldet via Twitter eine "Rekord-Teilnahmerzahl". Anlass der Aktion: Am Freitag berät der Bundestag über neue Finanzhilfen für Griechenland. Der Deutsche Journalistenverband hat die "Bild" unterdessen aufgefordert, ihre "Anti-Griechen-Kampagne" sofort zu stoppen. "Die Griechenland-Politik der Bundesregierung kann man mögen oder ablehnen", teilte der DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken am Donnerstag mit. Eine Kampagne, die direkten Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen wolle, verbiete sich aber mit der beschreibenden Aufgabe des Journalismus. "Dass Boulevard-Medien eine andere Sprache und einen anderen journalistischen Stil pflegen, ist selbstredend. Die Selfie-Aktion von Bild.de überschreitet aber die Grenze zur politischen Kampagne", kritisiert Konken.

Diekmann selbst ficht die Kritik des DJV nicht an - im Gegenteil. Ebenfalls per Twitter bedankt sich der "Bild"-Chef bei dem Journalistenverband für die "großartige PR", nachdem verschiedene Medien über die Kritik berichtet hatten. Außerdem beruft er sich auf die Gründer von "Stern" und "Spiegel", Henri Nannen und Rudolf Augstein: "Politische Kampagne ist Grenzüberschreitung? Das hättet ihr mal Henri Nannen oder Augstein erzählen sollen!" dh

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