Kooperation Cosmo sendet Echtzeit-Streams auf Facebook

Donnerstag, 01. Juni 2017
Robert Sandmann, Bauer
Robert Sandmann, Bauer
Foto: Bauer Media

Bauers "Cosmopolitan" und Facebook kooperieren. Der Social-Media-Riese kommt jetzt aktiv auf potenzielle Inhaltslieferanten aus der Verlagswirtschaft zu und bietet beste Konditionen. Ein Wunder? Nein, nur Wettbewerb. Denn es geht um Live-Streaming.

Hier, bei der Echtzeit-Übertragung von Videos, sieht sich Facebook, ganz ungewohnt, größter Konkurrenz ausgesetzt, vor allem von Google/Youtube. Gefragt sind gute Inhalte, um Nutzer zu binden und um Werbekunden im wachsenden Bewegtbild-Markt wertige Umfelder zu bieten, ohne Hate und Fake, ohne Gewalt und Gewackel. Daher beginnen die Plattformen nun mit der Produktion eigener Inhalte. Facebook buhlt zudem um Partnerschaften mit Verlagen, die mit ihren Inhalten und Absendermarken Licht und Leben ins Streaming bringen sollen. Wie sehr sich dadurch die Verhandlungsposition der Verlage verbessert, zeigt die erste größere Kooperation in Deutschland – mit dem Bauer-Frauenmagazin "Cosmopolitan".

In diesen Wochen können "Cosmopolitan"-Fans und andere auf Facebook am August-Heft (erscheint bereits am 6. Juli) mitwirken. Dies geschieht über Abstimmungen, Aktionen und Kommentare, mit denen die Userinnen der Redaktion etwa Fragen fürs Interview mit dem Sänger Clueso auf den Weg geben oder Bemerkungen zum Modeshooting mit dem Social-Media-Starlet Stefanie Giesinger loswerden können. Das Model ("Germany’s Next Topmodel") und der Musiker sind auch bei der "Live Week" Anfang Juli mit dabei, wenn die "Cosmopolitan"-Redaktion Interviews und Talkrunden zu den Themen Mode/Beauty, Lifestyle, Beziehung und Job sendet. Im Aktionszeitraum will das Bauer-Team über 30 Echtzeit-Streams veröffentlichen, zuzüglich weiterer Videos und Posts.

Schon zur Halbzeit der Aktion seien die "Cosmo"-Einträge auf der Plattform 1,3 Millionen Mal ausgeliefert worden – damit liege deren Facebook-Reichweite 30 Prozent über dem Vorjahr, sagt Inga Leister, bei Bauers Digitalfirma Xcel Media verantwortlich für die Frauen- und Jugendmarken. Die Zahl der "Cosmo"-Fans (derzeit 222.000) sei gestiegen, ebenso die Interaktionen. Über 500.000 Mal seien die Live-Videos bisher für mindestens drei Sekunden abgespielt worden. Und ja, auch cosmopolitan.de (1,6 Millionen Unique User) soll irgendwie profitieren. Doch im Fall der Live-Videos ist es zunächst fast egal, wo der Traffic stattfindet.

Denn um deren Verbreitung zu pushen, bietet die Plattform – zumindest bisher – attraktive Konditionen: "Die Werbevermarktung der Live-Videos liegt allein bei den Medien, wir erhalten dafür keinerlei Provision", sagt Guido Bülow, bei Facebook zuständig für Publisher-Kooperationen. Man sorge allein für die Kennzeichnung von Videos, die mit Werbekunden entstanden sind, und stelle die Technologie und Experten für die Live-Übertragungen. "Wir verstehen uns als Enabler für Medienmarken und erhalten dadurch mehr relevante Inhalte", erklärt Bülow. Und mehr Action auf der Plattform: Laut Facebook werden Live-Streams, die dort mittlerweile ein Fünftel aller Videos ausmachen, über zehnmal häufiger kommentiert.

Und Bauer? Bekommt die Sendeproduktion bezahlt, zudem "kreatives und technologisches Know-how im Umgang mit Social-Media-Videos" (Leister) sowie Input der Zielgruppe – und kann die Videos über Sponsoring und Branded Content selbst vermarkten. Die Werbekunden der "Live Week" mag Premiumtitel-Geschäftsführer Robert Sandmann noch nicht nennen. "Wir wollen einen Best Case schaffen und die Medienmarke ,Cosmopolitan' gegenüber unseren Leserinnen und Werbekunden so präsentieren, wie sie ist – modern und innovativ", sagt er. Mittelfristig rechnet Sandmann mit "indirekten Positiveffekten" auch fürs Heft, im Vertrieb und in der Vermarktung, wenn Video-Werbekunden auch noch Anzeigen mitbuchen.

Vorbild ist eine ähnliche Aktion in England, wo die Redaktion des dortigen Bauer-Wochenmagazins "Grazia" 2016 sogar eine Woche lang in die Londoner Facebook-Büros eingezogen war. Den Bauer-Verantwortlichen hier wie dort ist bewusst, dass der Produktions- und Distributionsaufwand steigt, wenn immer neue Plattformen mit speziellem Content versorgt werden. Jedoch: "Wir wollen dort sein, wo unsere Zielgruppe ist, um möglichst viele Kontaktpunkte zur Marke zu erzielen", sagt Digitalmanagerin Leister. Und "natürlich arbeiten wir dabei möglichst effizient, vor allem durch die intelligente Skalierung unserer Inhalte". rp

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