Kommentar zu Springers Print-Verkäufen Der seltsame Jubel der Börsianer

Donnerstag, 25. Juli 2013
Axel Springer: Verkauf statt Digitalisierung
Axel Springer: Verkauf statt Digitalisierung

Axel Springer hat mit dem Verkauf seiner Regionalzeitungen und der Programm- und Frauenzeitschriften alles richtig gemacht – finden zumindest die Börsianer und belohnen die Aktie mit einem kräftigen Kurssprung. Ein bitterer Beigeschmack aber bleibt. Vorstandschef Matthias Döpfner hat ein klares Ziel: Axel Springer soll das führende digitale Medienunternehmen Deutschlands sein. Und dazu gehört kurioserweise, dass man sich von Medientiteln trennt – statt sie zu digitalisieren. Mit „Berliner Morgenpost“, „Hamburger Abendblatt“ und Zeitschriften wie „Hörzu“ verabschieden sich die Berliner von 512 Millionen Euro Umsatz und einem Gewinn von satten 95 Millionen Euro. Man kann das als Befreiungsschlag feiern, wie die Analysten das tun – man kann sich aber auch fragen, ob das zu den Aussagen von Döpfner passt, wonach die Digitalisierung für Verlage vor allem eine großartige Chance ist.

Offenbar traut man sich bei Springer aber doch nicht zu, mit den Titeln, die man jetzt für den stolzen Preis von 920 Millionen Euro an die Funke Mediengruppe weiterreicht, im Internet Geld zu verdienen. Tatsächlich sind die digitalen Erfolge von Springer bisher ja hauptsächlich Unternehmungen, die wenig mit Journalismus zu tun haben. Für das digitale Wachstum sorgen in erster Linie Zukäufe wie Immonet, Stepstone, Idealo, Zanox und Co. Man wird sehen, ob Axel Springer das Geld für Übernahmen nutzt – und wenn ja, ob die Ziele Medien sind. Das würde schließlich gut zu dem Anspruch „führendes Medienhaus“ passen, ist aber nicht allzu wahrscheinlich.

Ist der Abschied von Axel Springer von Traditionstiteln wie „Hamburger Abendblatt“ und „Hörzu“ ein Zeichen für den unaufhaltsamen Niedergang von Print? Das wäre nur dann der Fall, wenn man keinen Käufer gefunden hätte, der bereit ist, viel Geld auf den Tisch zu legen. Der Mut der Funke Mediengruppe ist bemerkenswert – und natürlich nicht ohne Risiko. Gleichzeitig ergeben sich aber auch Chancen: Nach der Übernahme der Springer-Titel sind die Essener eine echte Macht im deutschen Mediengeschäft und bringen die dringend notwendige Konsolidierung einen großen Schritt voran.

Eine der spannendsten Fragen ist sicherlich, was der Deal für die Vermarktung bedeutet. Axel Springer und Funke kündigen an, „ein Gemeinschaftsunternehmen für Vermarktung und Vertrieb von gedruckten und digitalen Medienangeboten“ zu gründen. Wie genau dieses Unternehmen aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Die Funke Mediengruppe kooperiert bisher im Vertrieb und in der Zeitschriften-Vermarktung eng mit Burda. Damit dürfte es jetzt vorbei sein. Oder doch nicht? In einem Statement lobt Burda-Vorstand Philipp Welte den Deal als „beeindruckenden Schritt von beiden Seiten, der für die unternehmerische Agilität unserer Industrie steht.“ Und weiter: „Unberührt davon bleibt die Funke-Gruppe unser wichtigster strategischer Partner im Vertriebsmarkt“. Auch in der Vermarktung behielten die bestehenden Verträge „natürlich weiterhin Gültigkeit“. js
Meist gelesen
stats