Kommentar Warum der Radio Advertising Summit ein vielversprechender Neustart ist

Donnerstag, 05. Juni 2014
Rund 500 Besucher kamen zum ersten Radio Advertising Summit (Foto: Radiozentrale/Claus Langer)
Rund 500 Besucher kamen zum ersten Radio Advertising Summit (Foto: Radiozentrale/Claus Langer)


Ein Jahr Pause haben sich Radiozentrale, RMS und AS&S Radio gegönnt, um über die Ausrichtung ihres gemeinsamen Gattungsevents Radio Day nachzudenken. Es hat sich gelohnt. Die Veranstaltung, die nun "Radio Advertising Summit" heißt, ist klar fokussiert auf aktuelle Themen rund um die Vermarktung und holte damit rund 500 Besucher in die stylischen Fabrikhallen im Areal Böhler in Düsseldorf. Es war ein gelungener Aufschlag, der in den nächsten Jahren noch mehr Teilnehmer anlocken dürfte.
Die selbstverordnete Pause hat der Veranstaltung gut getan. Der Radio Day litt in den letzten Jahren zunehmend daran, dass er die Interessen von Programmmachern und Vermarktern unter einen Hut zu bringen musste. Das Programm wirkte zerfasert, das Themenspektrum war breit, mitunter beliebig, und die Besucher entstammten entgegen gesetzten Welten. Mit der Etablierung des Deutschen Radiopreises bekam die Branche 2010 ein eigenes Event für die Programmleute was dem Radio Day weiter schwächte. Deshalb war es nur folgerichtig, dass Lutz Kuckuck, Florian Ruckert und Oliver Adrian, die Chefs der Organisatoren Radiozentrale, RMS und AS&S Radio, 2012 beschlossen, den Radio Day in Rente zu schicken und neu nachzudenken.

Sich dann ganz auf die Vermarktung in all ihren Facetten zu konzentrieren, lag nahe. Das TV-Lager macht mit dem TV Wirkungstag schon seit Jahren vor, dass sich mit den trockenen Themen rund um das Kerngeschäft hunderte von Teilnehmern locken lassen, in diesem Jahr 1400. Und straft damit alle diejenigen Lügen, die glauben, die Branche sei nur noch an bunten News interessiert. Es zeigt auch, dass die Leute angesichts knapper Budgets lieber für Inhalte Zeit und Geld ausgeben, als für buntes Entertainment.

Der RAS stand unter dem etwas sperrigen Motto "Massenkommunikation trifft One-to-One". Was sich dahinter verbarg war aus dem vorab veröffentlichten Programm leider nicht so klar ersichtlich und in der Umsetzung damit überraschend positiv. Kurze und lange Formate wechselten sich ab. Keynotes und Diskussionsrunden, aber auch eine Art Speed-Dating, in der jeder Redner genau fünf Minuten bekam, um sein Angebot zu präsentieren. Internationale Experten wie Tomas Bacoccoli von der schwedischen Agentur Planet B kamen ebenso zu Wort wie deutsche Werbungtreibende.

Ferrrero-Mediachef Uwe Storch mischte sein Panel mit überraschend klaren Worten deutlich auf, auch Mindshare-CEO Christian Scholz hatte den Vermarktern einiges ins Stammbuch zu schreiben. Bei der Präsentation der MA IP Audio durch AG.MA-Chef Oliver Lassalle, RMS-Forscherin Henriette Hoffmann und ihr AS&S-Pendant Dieter K. Müller, platzte der dafür vorgesehene Raum aus allen Nähten. Auch bei Georg Tiemanns, Geschäftsführer von Crossmedia, Effizienzvergleich von Mediaplänen auf demografischen und auf Konsumentenzielgruppen, gab es nur noch Stehplätze.

Allein die am prominentesten platzierte Auftakt-Keynote von Politikberater Michael Spreng war angesichts des sonst so fokussierten Programms ein Flopp. Der Macher der "Kampa", Gerhard-Schröder-Wahlkampfs 1998 ("Bild", "BamS" und "Glotze"), schwadronierte über die Rolle der Medien allein Radio bekam dabei nur eine winzige Nebenrolle zugewiesen.

Den verpatzten Auftakt musste dann Moderatorin Barbara Schöneberger herausreißen, die der Branche nah und gut informiert auftrat und damit einen luftigen Rahmen für das Event schaffte. Allein die Zeitplanung trotz für die Redner sichtbar tickender Uhr lief aus dem Ruder, so dass eine der geplanten Pausen einfach ausfiel, zum Unmut vieler Besucher, die den Raum dann trotzdem verließen. Hier wäre zu überlegen, ob zwei, drei Programmpunkte weniger den straffen Zeitplan gut tätigen.

Gut gewählt auch das Areal Böhler, eine Ansammlung alter Fabrikhallen in Düsseldorf. Die Hallen verströmen Luftigkeit, das Tageslicht hellt allerlei Stimmungen auf, der Kontrast zwischen Industriearchitektur, bröckelndem Putz und weißen Möbeln vermittelt Modernität. Sitzecken und Stehtische boten Platz für Gespräche im kleineren Kreis. Entsprechend gut war die Stimmung, das Echo auf Kongressprogramm und Organisation positiv. Alles in allem also ein gelungener Neuanfang, der den nötigen Rückenwind liefern dürfte für das nächste Jahr.
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