Klaus Brinkbäumer "Spiegel"-Chefredakteur will noch in diesem Jahr Paid Content einführen

Montag, 23. März 2015
Klaus Brinkbäumer ist seit Kurzem "Spiegel"-Chefredakteur
Klaus Brinkbäumer ist seit Kurzem "Spiegel"-Chefredakteur
Foto: Der Spiegel

2014 war ein turbulentes Jahr für den "Spiegel", doch derzeit stehen die Zeichen auf Neuanfang: Die schon lange anvisierte Digital-Offensive läuft, zudem befinden sich Verlagsgeschäftsführung und Chefredaktion in neuen Händen. Als (Mit-)Gestalter des Wandels soll Klaus Brinkbäumer fungieren. Der langjährige "Spiegel"-Mann ist seit einigen Wochen Nachfolger des glücklosen Wolfgang Büchner als Chefredakteur des Hamburger Nachrichtenmagazins. In seinen Antrittsinterviews mit der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe) und dem "Hamburger Abendblatt" blickt Brinkbäumer auf die Ära Büchner zurück - und auf das kommende Jahr voraus.
Wir erinnern uns: Kurz nach seinem Amtsantritt als Chefredakteur machte sich Wolfgang Büchner zunächst mit unpopulären Personal-Entscheidungen unbeliebt, später mit dem Plan, gemeinsame Ressortleiterstellen für Print und Online zu etablieren. Zwar stand das Haus offiziell stets hinter dem digitalen Umbauprojekt "Spiegel 3.0", doch Büchners Hauruck-Kurs wollte ein großer Teil der angestammten (Print)-Belegschaft nicht mittragen. In der "Süddeutschen" bekräftigt Brinkbäumer diese Lesart im Grunde, indem er sagt, Büchners Fehler sei gewesen, dass er "eine Strukturreform an den Anfang stellen" wollte. Die neue Führungsmannschaft, also Brinkbäumer selbst, sein Online-Co Florian Harms und auch Verlagsgeschäftsführer Thomas Hass, wollen einen anderen Weg gehen: zunächst wolle man über Inhalte und Produkte sprechen, ehe man die Strukturen anfasse. "Mit einem Rutsch das ganze Haus zu verschrecken, erzeugt keine positive Wirkung", legt Brinkbäumer in Richtung Büchner nach.

Klaus Brinkbäumer und Florian Harms
Bild: Spiegel Verlag

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Gleichwohl nimmt Brinkbäumer ein wenig Druck von Büchner: Sein Vorgänger habe es zwar nicht geschafft, die Redaktion zu begeistern und von dem zu überzeugen, was er wollte, so Brinkbäumer. Das lastet er jedoch nicht Büchner allein an: "Wir alle in der Chefredaktion haben das nicht geschafft."

Zu den digitalen Neuerungen, die der "Spiegel" bereits unter Büchner anstrebte, gehört die Einführung einer Paywall. Diese kündigt Brinkbäumer im "SZ"-Interview sowie im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt", hier gemeinsam mit Florian Harms, noch für dieses Jahr an. Bei der Aussteurung der Artikel über die verschiedenen Kanäle wird er eng mit Harms zusammenarbeiten, der für Spiegel Online verantwortlich ist - obwohl Brinkbäumer mit mehr Entscheidungskompetenz ausgestattet ist. "Aber ich werde Florian Harms nicht in seine Arbeit hineinfunken", so Brinkbäumer zu "SZ".

„Mit einem Rutsch das ganze Haus zu verschrecken, erzeugt keine positive Wirkung.“
Klaus Brinkbäumer
Die Marschroute bei der Bezahlstrategie umschreibt Brinkbäumer gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" so: "Unser erstes Ziel ist heute: bezahlter Journalismus first. Das meint im Moment noch immer vor allem das Heft, aber das gilt eben auch für eine Bezahlwelt, die sich irgendwann auf 'Spiegel Online' öffnen wird." ire
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