"King of Kotelett" So schlug sich Stefan Raab beim TV-Duell

Montag, 02. September 2013
Stefan Raab profilierte sich als Moderator des TV-Duells (Bild: ARD/Max Kohr)
Stefan Raab profilierte sich als Moderator des TV-Duells (Bild: ARD/Max Kohr)


Das gestrige TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück hatte neben den zwei Kanzlerkandidaten noch einen dritten Protagonisten: Mit-Moderator Stefan Raab. Die Performance des TV-Entertainers wurde im Vorfeld mit ähnlicher Spannung erwartet wie die Redebeiträge der beiden Spitzenkandidaten. Unterm Strich bleibt hängen: Raab kann offenbar einfach alles. Stefan Raab gilt mit Recht als TV-Alleskönner. Egal was er anpackt, so heißt es gerne, es wird ein Erfolg. Doch würde er, so die Befürchtung vieler im Vorfeld, auch für das TV-Duell geeignet sein, immerhin die wichtigste Politsendung in diesem Jahr? Diesbezüglich lautet die Einsicht: Ja, Raab kann seriös. Wirklich verwunderlich ist das aber nicht. Viel eher war die Frage, wie Raab sich im Vergleich mit den in zahlreichen Politiker-Gesprächsrunden gestählten Profis Peter Klöppel, Maybrit Illner und Anne Will schlagen würde.

Er schlug sich gut. Wenn nicht sogar sehr gut. Zunächst hatte man ein wenig das Gefühl, als dürfte Raab nur die "weichen" Fragen stellen, während es die Aufgabe der anderen Moderatoren war, die trockenen Sachthemen abzuarbeiten. Erst, als das TV-Duell schon über eine halbe Stunde alt war, konnte Raab mit Fragen zu PkW-Maut, Schuldenabbau und Steuerbetrug den Kandidaten auch zu knallharten Sachthemen Redebeiträge entlocken.

Interessant war zu sehen, wie Raab sich auf Merkel und Steinbrück einstellte. Bei der Bundeskanzlerin biss er mehrfach auf Granit, als sie sich partout nicht in ihrem Redefluss unterbrechen lassen wollte - einmal setzte es gar einen kleinen Rüffel für den allzu forsch nachfragenden Raab. Als Merkel später doch noch die Frage zur PkW-Maut beantwortete, konnte Raab mit einer kleinen Retourkutsche glänzen ("Na endlich, das hätten wir auch früher haben können"). Mindestens ebenso charmant und gleichzeitig schnippisch kam seine Erinnerung an die Kanzlerin, doch bitte auf die Länge ihrer Redebeiträge zu achten.

Und Peer Steinbrück? Als einstmals bekannt wurde, dass Raab zum Moderatoren-Team des TV-Duells gehören sollte, stellte sich der SPD-Politiker erstmal quer ("Politik ist keine Unterhaltungssendung"). Später fügte er sich in sein Schicksal. Und offenbar gehörte es zu Steinbrücks Taktik, Raabs Anwesenheit für seine Zwecke zu nutzen. Wenn der Entertainer das Wort an ihn richtete, antwortete der Hanseate oft flapsig, als säße er bei Raabs Polittalk "Absolute Mehrheit". Vorläufiger Höhepunkt: "Ich bin ins Gewinnen verliebt, Herr äh...Herr..." Fehlte eigentlich nur das "Dingsbums". Ob das gewollt war, muss dahingestellt bleiben.

Das wahre Highlight folgte jedoch in der Schlussrunde: Als auf Raabs Frage, warum er eine Große Koalition konsequent ablehne, von Steinbrück keine befriedigende Antwort kommt, redet sich der Pro-Sieben-Mann regelrecht in Rage: "Missachten Sie etwa den Wählerwillen?", ruft Raab und erinnert an Oliver Kahn, der auf Rücksicht auf das Team 2006 nur als zweiter Torwart zur Heim-WM gefahren sei. Anne Will neben ihm kicherte bereits, als Raab jenen Satz nachschob, der schon jetzt legendär ist: "Das ist doch keine Haltung zu sagen: Ich will nur gestalten, wenn ich King of Kotelett bin."

Darf das Raab-Experiment damit als geglückt gelten? Durchaus. Raab lockerte die Runde auf, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Er wirkte seriös, als es angebracht war und packte zum passenden Moment den Clown aus. Er betonte seine Worte mit Nachdruck, garniert mit teilweise ausladenden Gesten. Wie blass wirkten doch daneben Will, Illner und vor allem Kloeppel, der kaum einen eigenen Akzent zu setzen vermochte. Für die Ausgabe des TV-Duells bei der nächsten Bundestagswahl kann das nur heißen: Raab darf nicht, er muss wiederkommen. ire
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