"Kick up, kiss down" Wie die "Washington Post" Jeff Bezos begrüßt

Donnerstag, 08. August 2013
Die "Washington Post" begrüßt Bezos mit einem offenen Brief
Die "Washington Post" begrüßt Bezos mit einem offenen Brief


Nachdem sich der erste Schock über den Verkauf ihrer Zeitung bei den Redakteuren der "Washington Post" gelegt hat, scheinen sich sich die Journalisten der renommierten Tageszeitung mit ihrem neuen Eigner anzufreunden. In einem charmanten und anspielungsreichen offenen Brief heißen sie den Amazon-Gründer willkommen - natürlich nicht ohne ihm die eine oder andere nett verpackte Mahnung mit auf den Weg zu geben.
Gene Weingarten, Redakteur der "Post", beginnt seinen Brief mit einer Anekdote: 1982, er war Redakteur des zum "Miami Herald" gehörenden Magazins "Tropic", sollte die Redaktion über die Gewinner der Silver Knight Awards berichten, einem Preis, der von den Eignern der Zeitung verliehen wird. Die Redaktion weigerte sich standhaft, die Geschichte zu bringen - sie hätte nicht zum kämpferischen Anspruch des jungen Magazins gepasst. Der Herausgeber grummelte über die aufmüpfige Redaktion und ließ die Geschichte irgendwo auf den hinteren Seiten der Zeitung abdrucken - Konsequenzen hatte die Verweigerung für die Redaktion aber nicht.

Ironischerweise wurde just in den Jahr, in dem die Redaktion sich weigerte, über die Silver Knight Awards zu berichten, ein gewisser Schüler namens Jeffrey Bezos mit dem Preis ausgezeichnet. "Unsere Wege habe sich schon einmal gekreuzt, als wir jung waren und ich habe Sie gedisst. Ich denke, es ist ziemlich klar, wer das Rennen gemacht hat", räumt der damalige "Tropic"-Redakteur Weingarten ein.

Und die Moral von der Geschicht'? Die Redaktion behielt mit ihrer Haltung recht: In den kommenden Jahren wurde das ambitionierte Magazin mit zwei Pulitzer-Preisen ausgezeichnet und war für zwei weitere nominiert. Die Anekdote verdeutliche, was einen guten Herausgeber und Zeitungsmacher auszeichne, betont Weingarten: "Kick up, kiss down". Lass Dir nichts von Deinen Vorgesetzten gefallen, aber sorge dafür, dass Dich Deine Angestellten lieben und respektieren. Die bisherigen Herausgeber der "Washington Post", Katharine und Don Graham hätten genau nach dieser Devise gehandelt und sich im Zweifel immer für herausragenden Journalismus eingesetzt, betont Weingarten.

Wenn Graham nun sage, der Verkauf an Bezos sei das Beste für die Zeitung, reiche ihm das. "Sie sind ganz offensichtlich ein guter Geschäftsmann und man sagt, sie seien ein Visionär", gibt der Redakteur seinem neuen Inhaber mit auf den Weg. "Ich hoffe, dass Sie eine klare Vision davon haben, wo Sie mit diesem bemerkenswerten Unternehmen hin wollen. Aber bitte denken Sie immer daran: Kick up, and kiss down." dh
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