Kehraus G+J verkauft Pubbles-Anteile an Bertelsmann

Freitag, 16. August 2013
Der Online-Kiosk macht Ende September dicht
Der Online-Kiosk macht Ende September dicht


Rückzug, letzter Akt: Gruner + Jahr schließt das Kapitel des im Zeitschriftengeschäft gescheiterten Onlinekiosks Pubbles nun endgültig. Die G+J-Vertriebstochter DPV Deutscher Pressevertrieb verkauft ihre Anteile (25 Prozent) an Bertelsmanns Buchclub, der damit nun die Hälfte der Anteile hält. Das bestätigt eine DPV-Sprecherin auf Anfrage. Damit beendet G+J für sich das im Oktober 2010 mit großen Hoffnungen gestartete Projekt Pubbles. Damals hielten Bertelsmanns Direct Group und G+J/DPV je 50 Prozent der Anteile. Ziel war, mit der "Mehrheit aller Verlagshäuser" als Partner ein neutrales Gegengewicht zu Apples iTunes zu bilden. Es gelang jedoch nicht, ausreichend andere Verlage sowie Leser vom eigenen E-Kiosk für digitale Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchinhalte zu überzeugen - Plattformen mit eigenen Geräten (Apple/iPad, Amazon/Kindle) blieben uneinholbar.

Anfang 2012 begann der Rückzug: Die Buchhändler Weltbild/Hugendubel wurden mit zusammen 50 Prozent Gesellschafter von Pubbles; DPV und Bertelsmann reduzierten ihre Anteile auf je 25 Prozent. Schon damit hatte sich der Schwerpunkt deutlich in Richtung digitaler Buchvertrieb verschoben, mit Pubbles-Technik im Maschinenraum. Die Marke Pubbles sollte jedoch fürs B-to-C-Geschäft mit Buch- und Presseverkauf erhalten bleiben.

Doch auch damit ist bald Schluss: Ende September gibt das Unternehmen sein Endkundengeschäft auf, die Marke Pubbles verschwindet. Auch das verwundert nicht, denn die Gesellschafter hatten bald die Lust verloren: G+J hat bekanntlich mittlerweile andere Sorgen, zumal der digitale Zeitungs- und Zeitschriftenverkauf (nicht nur bei G+J) so richtig nicht in die Gänge kam - auch, weil Pubbles große Marketingunterstützung versagt blieb.

Und die drei Buch-Gesellschafter dachten da längst in größeren Dimensionen: Mit ihrem gemeinsamen E-Book-Reader Tolino zeigen Weltbild, Hugendubel, Thalia, Bertelsmann Club und Telekom im Buchmarkt, wie ein Schulterschluss gegen Apple und Amazon funktionieren kann - im Gegensatz zum Pressemarkt. Vielleicht klappt es bei Büchern bisher auch deshalb besser, weil die Player hier über Filialen verfügen und ein gemeinsames Lesegerät auf die Beine gestellt haben. Immerhin: Die Pubbles-Technik fließt in die Tolino-Infrastruktur ein.

Insofern überrascht es nicht, dass G+J/DPV nun ganz den Stecker zieht und seine Anteile komplett verkauft, an die Bertelsmann-Firma RM Buch und Medien Vertrieb GmbH ("Buchclub") in der Sparte Direct Group Germany. G+J will seine Titel dann künftig über andere Marktplätze vertreiben - wie andere Verlage es längst tun. Möglich ist, dass auch Tolino neben E-Books später einmal zusätzlich digitale Zeitungs- und Zeitschrifteninhalte aufnimmt. Nur wäre G+J/DPV dann ein ganz normaler Mandant und kein Mitbetreiber mehr. Der ehemalige DPV-Chef Olaf Conrad, dessen Ausscheiden in dieser Woche bekannt wurde, war laut Handelsregister bereits am 8. Juli aus der Pubbles-Geschäftsführung ausgeschieden. rp

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