"Katastrophe", "fürchterlich" Franziska Augstein kritisiert Blome-Entscheidung heftig

Donnerstag, 29. August 2013
Die Causa Blome hält den "Spiegel" weiter in Atem
Die Causa Blome hält den "Spiegel" weiter in Atem


Während die drohende Palastrevolution beim "Spiegel" zunächst abgewendet zu sein scheint, schwelt der Konflikt auf anderer Ebene weiter. "Spiegel"-Erbin Franziska Augstein hat die Entscheidung, den "Bild"-Mann Nikolaus Blome zum Mitglied der Chefredaktion zu machen, scharf kritisiert. In einer eigenen Stellungnahme sprach die Journalistin der "Süddeutschen Zeitung" von einer "Katastrophe". Zweieinhalb Stunden soll die Informationsveranstaltung der Mitarbeiter KG des "Spiegel" gedauert haben. Schnell wurde klar: Die Führungsspitze der KG stimmt dem Kompromissvorschlag des designierten Chefredakteurs Wolfgang Büchner zu, den umstrittenen Nikolaus Blome nur noch zum Mitglied der Chefredaktion zu machen, statt zum stellvertretenden Chefredakteur. Ressortleiter und Redakteure des Nachrichtenmagazins lehnen diese Entscheidung strikt ab.

Und noch jemand ist unzufrieden: "Spiegel"-Erbin Franziska Augstein bedachte die Entscheidung mit harten Worten. "Die Entscheidung der 'Spiegel'-Gesellschafter, an dem Springer-Mann Nikolaus Blome festzuhalten, ist eine Katastrophe", schrieb Augstein in einem Statement, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. In einem Interview mit NDR Kultur bekräftigte die Journalistin der "Süddeutschen Zeitung" ihre Kritik. "Ganz fürchterlich" sei das Festhalten an Blome, auch von einem Kompromiss könne keine Rede sein. Blome als Springer-Mann habe daran mitgearbeitet, regierungsnahe Positionen zu vertreten und den NSA-Skandal herunterzuspielen. Und damit passe er nicht zur Tradition des "Spiegels". Die Mitarbeiter KG habe hier keine gute Figur gemacht, sie sei "umgefallen".

Mit ihren Äußerungen widerspricht Augstein ihrem Bruder Jakob. Der Sprecher der "Spiegel"-Erbengemeinschaft hatte sich für Blome ausgesprochen. Für Entscheidungen beim "Spiegel" ist die (unterschiedliche) Meinung der Erben jedoch nur atmosphärisch relevant - und nicht faktisch: Die Erbengemeinschaft besitzt 24 Prozent am Verlag und damit keine Sperrminorität. Diese hat hingegen der Verlag Gruner + Jahr, der mit 25,5 Prozent am Spiegel beteiligt ist.

Das weiß auch Franziska Augstein: "Das einzige, was ich machen kann, ist die Leute zu unterstützen, die diese Entscheidung für falsch halten", sagte sie dem NDR. Und sie beruft sich auf ihren Vater, "Spiegel"-Grunder Rudolf Augstein, dessen Name im Verlagshaus nach wie vor einen Ruf wie Donnerhall hat. "Wenn er am Leben wäre, wäre diese Personalie in einer Sekunde vom Tisch gefegt worden", so Augstein. Dass Wolfgang Büchner Blome durchgedrückt habe, sei ein "eklatanter Fehler, der nicht hinnehmbar" sei. ire
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