Kampagne der Jungen Liberalen Facebook löscht Popo-Foto

Freitag, 24. Januar 2014
Dieses Bild war Facebook offenbar nicht recht (Bild: Mediafaktur)
Dieses Bild war Facebook offenbar nicht recht (Bild: Mediafaktur)


Die Jungen Liberalen hielten es für eine gute Sache, Facebook allerdings offenbar nicht: Die FDP-Nachwuchsorganisation hatte auf ihrer Facebook-Seite ein Foto gepostet, das an das berühmte Nackte-Hintern-Motiv der legendären "Kommune 1" angelehnt war. Wenig später wurde das Foto gelöscht - und die Julis geißeln das soziale Netzwerk "als Vertreter von Spießigkeit und Muff". Man wollte sich als Hüter von Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Individualität präsentieren, als einzige Alternative zur scheinbar übermachtigen Großen Koalition in Berlin, die der freien Entfaltung der jungen Generation im Weg stehe. Deswegen auch die Hommage an das berühmte Foto der Kommune 1, das die Bewohner der legendären Revoluzzer-WG komplett nackt mit dem Rücken zur Kamera an einer Wand lehnend zeigt. Dazu die Zeile: "Wer hätte gedacht, dass wir Liberalen mal die Werte der 68er verteidigen müssen?"

Doch heute wie damals gilt offenbar: Provokation ruft Widerstand hervor. Denn wenig später hatte Facebook das Bild, das die Mitglieder des Juli-Vorstands um Alexander Hahn zeigt, nach dessen Angaben von der Seite entfernt. "War damals die Springer-Presse Vertreter von Spießigkeit und Muff so ist es heute Facebook", schimpfen die Jungliberalen auf ihrer Homepage. "Unsere Nachstellung eines der bekanntesten Polit-Fotos wegen angeblicher Anstößigkeit zu zensieren, führt auf jeden Fall genau jene Spießbürgerlichkeit vor Augen, gegen die wir angehen. Schade, dass Facebook zur Zensur greift, statt der Meinungsbildung freien Lauf zu lassen." Der Text findet sich auch auf Facebook, dort zusätzlich versehen mit dem Hashtag #JetzErstRecht. Denn die Julis posteten das Bild erneut, allerdings mit einem schwarzen Balken über den nackten Hintern. Und in der Chronik wurde lediglich ein Link zu dem Artikel gepostet, der über die Löschung des Fotos informiert. Das Motiv ist dabei nur unvollständig zu sehen.

Möglicherweise hätten die Jungpolitiker allerdings schon eine Vorahnung haben müssen. Denn dass Facebook tatsächlich oder vemeintlich anstößige Inhalte löscht, ist kein Geheimnis. Derartige Erfahrungen machten bereits zahlreiche Seitenbetreiber: Ein Cover des "Zeit"-Magazins, auf dem ein entblößter Penis zu sehen war, fiel ebenso den Community-Richtlinien zum Opfer wie ein Titelbild von "Zeit"-Campus, das die Femen-Aktivisitin Josephine Witt mit nackter Brust zeigte. Und "ZDF heute" erwischte es gar allein wegen des Fotos eines Brustimplantats. ire
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