Kai Gniffke Feedback-Aktion der "Tagesschau" verlief "sehr zivilisiert"

Montag, 29. Mai 2017
Tagesschau-Boss Kai Gniffke
Tagesschau-Boss Kai Gniffke
Foto: ARD

Kai Gniffke hat eine positive erste Bilanz der Aktion "Sag's mir ins Gesicht" gezogen. Bei seinen Gesprächen sei "kein beleidigendes Wort gefallen", betont der ARD-Aktuell-Chefredakteur auf Tagesschau.de. Bei der Aktion stellen sich prominente ARD-Gesichter live auf Facebook ihren Kritikern. Gniffke hatte am Sonntag den Anfang gemacht. 
Durch den direkten Austausch mit Kritikern will die "Tagesschau" die Diskussionskultur im Internet verbessern, aber auch den Verfassern von Hasskommentaren Kontra geben: "Ich wollte denen zeigen, dass wir keine Mimosen sind, die sich zu fein dafür sind, auch mal Diskussionen zu führen, die etwas schärfer sind. Dass wir nicht sofort in Deckung gehen, wenn der Ton rauer wird", erklärt Gniffke. "Vor allem war mir wichtig, den Leuten deutlich zu machen, dass wir im Gespräch bleiben wollen - auch mit denen, die uns sehr scharf kritisieren oder sogar abschaffen wollen."  Dabei sei der Ton im direkten Gespräch erstaunlich moderat gewesen: "Ich hatte gedacht, dass es ein paar Leute gibt, die richtig losmaulen und auch verbal schärfer werden. Das war überhaupt nicht der Fall, es fiel kein beleidigendes Wort. Es war sogar sehr zivilisiert. Die Angesicht-zu-Angesicht-Situation hebt offenbar das Niveau: 'Du Hetzer, du Arschloch', das schreibt sich viel leichter als es jemandem ins Gesicht zu sagen." 

Thematisch sei es vor allem um die Ukraine, Donald Trump und die Frage, ob die "Tagesschau" regierungsgesteuert sei, gegangen. Persönliche Angriffe würden an ihm abprallen, erklärt Gniffke. "Das sind in der Regel Maulhelden." Nur einmal sei er zur Staatsanwaltschaft gegangen, als er eine Morddrohung bekommen habe. In den kommenden Wochen werden unter anderem Anja Reschke und Isabel Schayani auf Facebook mit Kritikern diskutieren. dh
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