Kai Diekmann Viel Zuspruch für den Israel-Coup des Bild-Chefs

Mittwoch, 06. Juli 2016
Kai Diekmann erntet viel Respekt für seine Entscheidung
Kai Diekmann erntet viel Respekt für seine Entscheidung
Foto: Axel Springer

Kai Diekmann hat 2009 Original-Baupläne für das NS-Vernichtungslager Auschwitz gegen den Willen deutscher Behörden nach Israel geschafft, weil er der Überzeugung war, dass die historischen Dokumente nach Yad Vashem gehören - und erntet dafür im Netz ungewohnt viel Zuspruch.
Kai Diekmann liebt die große Geste und eckt mit seinem selbstbewussten Auftreten immer wieder an - wenn es sein muss, kann er sich aber auch vornehm zurückhalten. So verriet der Herausgeber der "Bild" erst jetzt, wie es ihm 2009 gelang, die historischen Baupläne für das Konzentrationslager Auschwitz nach Israel zu bringen. 2009 hatte Axel Springer auf dem Schwarzmarkt für eine unbekannte Summe die wohl letzten erhaltenen Skizzen und Baupläne für das NS-Vernichtungslager Auschwitz erworben und öffentlichkeitswirksam im Axel Springer Hochhaus in Berlin ausgestellt. Die Echtheit der Dokumente hatte der Verlag zuvor vom Bundesarchiv überprüfen lassen. Das Amt wollte die historisch einmaligen Dokumente danach natürlich gerne in ihre Bestände aufnehmen - doch Diekmann hatte andere Pläne mit den historischen Zeugnissen. Gegen den Willen des Bundesarchivs und des Bundesinnenministeriums, die der Auffassung waren, dass die Pläne der Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des Dritten Reichs gehören, schmuggelte er die Dokumente ins Land der Opfer - nach Israel.

Wie ihm das gelang, gab Diekmann nun in einem Interview mit dem auf Hebräisch erscheinenden Online-Magazins "Spitz" preis, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Behörden hatten Diekmann unmissverständlich davor gewarnt, die Pläne außer Landes zu bringen: "Bundesarchiv und Bundesinnenministerium haben uns gesagt, diese Dokumente gehören der Bundesregierung. Wenn Sie versuchen, sie aus Deutschland herauszubringen, dann bekommen Sie ein Problem. Wir werden Sie an der Grenze stoppen", berichtet der "Bild"-Chef im Gespräch mit "Spitz". Daher nahm der damalige Chefredakteur der "Bild" Kontakt zum israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu auf, der die Pläne nach einem Deutschlandbesuch im Diplomatengepäck nach Israel transportierte. 
"Es war und ist die richtige Entscheidung: Die Auschwitz-Baupläne gehören nach Yad Vashem - und nicht in eine Schublade des Bundesarchivs", bekräftigte Diekmann per Twitter seine damalige Entscheidung - und erntet im Netz dafür viel Zuspruch: "Respekt ! Respekt!", lobt ein Nutzer den Bild-Herausgeber, "Ich wusste ja gar nicht, was Kai Diekmann für ein geiler Typ ist", schreibt ein anderer. "Mutig. Und richtig", lobt auch Stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen die Entscheidung des Bild-Chefs.
Aber Diekmann wäre natürlich nicht Diekmann, wenn er nicht auch hier das letzte Wort behielte. Die in der "SZ" geäußerten Vorwürfe des Bundesarchivs, er habe sich nicht die  mündliche Vereinbarung gehalten, die Pläne nach der Überprüfung dem Bundesarchiv zu überlassen, kontert er ebenfalls via Twitter mit Bildern des Schriftwechsels  mit der Behörde: "Von wegen Zusage..... Die würde ich sehr gerne sehen! Ich hab' die nicht in meinen Unterlagen...", so Diekmann. "Die Herren vom Bundesarchiv sollten mal ihre eigene Korrespondenz nachlesen, bevor sie Unsinn verbreiten..." dh

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