Kai Diekmann "Bild" ohne Bundesliga? - "Eher schafft McDonald's den Big Mac ab"

Dienstag, 10. Februar 2015
Kai Diekmann auf dem SpoBiS
Kai Diekmann auf dem SpoBiS
Foto: Sponsors/Picture Alliance

Content Marketing ist auch im Sportbusiness eines der großen Buzzwörter – das wurde auf dem SpoBiS in Düsseldorf deutlich. So mancher Sponsoringverantwortliche, der auf der Suche nach der richtigen Strategie ist, sollte sich einen Vortrag von Kai Diekmann anschauen. Denn wie sich der "Bild"-Chef auf der Bühne präsentiert, hat viel mit Content Marketing zu tun – mit ihm selbst als Inhalt.

Spätestens, seitdem er von seiner Bildungsreise aus den USA heimgekehrt ist, fallen in den meisten Gesprächen mit oder über Kai Diekmann folgende Begriffe: Bart, Twitter, Silicon Valley. Das sagt einiges aus über den Mann und die Marke, denn alle Begriffe hat er sich in irgendeiner Weise zu eigen gemacht. Auf dem Kongress in Düsseldorf war das nicht anders. Doch während die prächtige Gesichtsfrisur und seine Twitter-Aktivitäten so etwas wie persönliche Steckenpferde für den "Bild"-Chef sind, wird beim dritten Begriff deutlich, wie sehr die Zeit jenseits des großen Teiches Diekmann beruflich geprägt haben muss.

Noch immer erzählt er wie elektrisiert von der Start-up-Kultur im Silicon Valley, wo man Dinge einfach ausprobiert – und manchmal krachend scheitert. "Wenn bei uns in Deutschland etwas falsch läuft, wird sofort ein Schuldiger gesucht, den man bestrafen kann", beklagte Diekmann auf der SpoBiS-Bühne die hiesige Fehlerkultur. Insofern brachte Diekmann das Selbstverständnis des Springer-Konzerns mit seiner Anekdote in dem Podiumsgespräch unter - und das Publikum hatte gleich auch noch etwas zu Lachen. Denn bekannt ist: "Find a new way to fuck up" gilt seit dem Silicon-Valley-Experiment als ein Wahlspruch bei Springer.

„Wenn bei uns in Deutschland etwas falsch läuft, wird sofort ein Schuldiger gesucht, den man bestrafen kann“
Kai Diekmann
Bei seinen Erfahrungen im Silicon Valley blieb Diekmann jedoch nicht stehen, denn er hat bereits eine weitere Bildungsreise hinter sich. So bereiste er jüngst Südkorea, um mehr über das mobile Internet und seine Möglichkeiten zu erfahren. Die Verbindung aus Mobile, Breitband und Cloud Computing sei der nächste "Tipping Point" in der Digitalisierung, so Diekmann. Und die Koreaner seien dabei Vorreiter.

"Bild" müsse diese Entwicklung unbedingt mitgehen, ist Diekmann sicher und führt als Beispiel die für den Springer-Konzern so wichtigen Bundesliga-Rechte an: Bereits jetzt erfolge die Mehrzahl der Zugriffe am Wochenende auf die Highlight-Clips der Bundesliga von mobilen Endgeräten. Ein Indiz für Diekmann, dass das stationäre Internet bald bereits schon wieder "von gestern" sei.

Insgesamt verzeichnet Bild Plus laut Diekmann über 250.000 voll zahlende Abonnenten, zwei Drittel davon hätten das Bundesliga-Paket gebucht. Es gebe damit keine Medienmarke in Deutschland, die bei ihrer Bundesliga-Berichterstattung alle Oberflächen – Print, Online, Bewegtbild - bedienen könne. Deswegen müsse man auch alles tun, um die so wichtigen Sportrechte zu erhalten, denn: "'Bild' ist ohne Bundesliga nicht denkbar – eher schafft McDonald's den Big Mac ab. Und ohne Bewegtbild kommen wir im Digitalen schlicht nicht aus."

Pro Saison bezahlt Springer dem Vernehmen nach etwa 5 Millionen Euro für seine Rechte. Dass es bei diesem Preis bleibt, ist angesichts der Entwicklung bei Smartphones und Mobilfunk-Bandbreiten kaum denkbar - und dabei geht es nur um Zweitverwertungsrechte. Auf die Frage von Moderator Hagen Boßdorf, ob es auch vorstellbar sei, dass Springer um Live-Rechte mitbiete, antwortete Diekmann nicht direkt. Wichtig sei, dass die Berichterstattung "zeitnah und meinungsstark ist, denn dafür steht 'Bild'".

Bei vielen Fragen schaltete Diekmann aber wieder in den Content-Marketing-Modus und kokettierte mit seiner eigenen Ahnungslosigkeit in Sachen Sport: "Dafür bin ich bei meiner Redaktion berüchtigt." Wobei gerade die Sportkollegen ein ganz besonderes Selbstbewusstein an den Tag legten, so Diekmann: "Denen ist es prinzipiell scheißegal, wer unter ihnen Chefredakteur ist." ire

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