Kai Diekmann "Auch mal etwas zur Sprengung bringen"

Freitag, 06. November 2015
Kai Diekmann will künftig als Satellit über der Redaktion schweben
Kai Diekmann will künftig als Satellit über der Redaktion schweben
Foto: Axel Springer

Es war am Donnerstag die Branchennews des Tages: Kai Diekmann gibt nach 15 Jahren die Chefredaktion der "Bild" ab und fungiert künftig als Herausgeber. Im Interview mit dem "Handelsblatt" beschreibt er seine künftige Aufgabe.
"Der Redaktion habe ich gesagt, dass ich künftig als Satellit über ihr kreisen werde. Wenn es nötig sein sollte, werde ich auch mal etwas zur Sprengung bringen", so Diekmann. Als Herausgeber sei er künftig zwar verantwortlich für die publizistische Linie der gesamten "roten Gruppe", in erster Linie werde er aber abseits des Tagesgeschäfts Neues entwickeln. Die Pläne für die Neustrukturierung der Chefredaktion hätten er und Springer-Chef Mathias Döpfner bereits seit Jahresbeginn in vielen Gesprächen entwickelt. Wegen seiner vielen anderen Aufgaben habe er für die gedruckte Ausgabe nicht mehr die Aufmerksamkeit aufbringen können, die die Zeitung im Tagesgeschäft brauche. "Ich halte es für richtig, dass wir mit Tanit Koch nun eine Chefredakteurin bekommen, die sich 24 Stunden am Tag um die gedruckte Ausgabe kümmert."

Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Herausgeber werde die Entwicklung neuer digitaler Angebote: "Wir arbeiten im Rahmen der digitalen Transformation an einer ganzen Reihe von konkreten Projekten." Als Beispiele nennt Diekmann Instant Articles von Facebook oder das Nachrichtentool Discover von Snapchat. Aber auch das klassische Printgeschäft will er nicht aus den Augen verlieren: "Womöglich gibt es ja auch noch Print-Verlängerungen von 'Bild', die erfolgreich sein könnten."
Tanit Koch und Kai Diekmann
Bild: Axel Springer / dfv

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Allerdings lässt Diekmann keinen Zweifel daran, wo er die Zukunft sieht. Er sei zwar davon überzeugt, dass es die "Bild" auch in zehn, 15 Jahren noch in gedruckter Form geben werde. Viel wichtiger sei aber, dass die Gesamtreichweite der "Bild" dank der digitalen Kanäle so hoch sei wie noch nie. "Die Digitalisierungsstrategie von 'Bild' ist ein Riesenerfolg."

Auch den im "Handelsblatt" erhobenen Vorwurf, er schiele auf ein Szenepublikum und verliere die klassische "Bild"-Klientel aus dem Blick, lässt Diekmann nicht auf sich sitzen: "Die hippe Szene ist mit ziemlich egal. 'Bild' hat immer das ganz große Publikum im Blick und zeigt dabei klare Kante." dh
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