Kahlschlag "Westdeutsche Zeitung" entlässt jeden zweiten Redakeur

Freitag, 28. März 2014
Die Auflage der Düsseldorfer Tageszeitung sinkt seit Jahren
Die Auflage der Düsseldorfer Tageszeitung sinkt seit Jahren


Kahlschlag in Düsseldorf: Die "Westdeutsche Zeitung" hat angekündigt, in den Redaktionen jede zweite Stelle zu streichen. Der Mantel wird künftig zugeliefert, mehrere Lokalredaktionen geschlossen. Die Auflage der Düsseldorfer Traditionszeitung ist in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark gesunken. Bereits seit Tagen hatten Gerüchte über erneute Einsparungen bei der "Westdeutschen Zeitung" die Runde gemacht, am Donnerstag legte der Verlag W. Girardet bei Mitarbeiterversammlungen in Düsseldorf, Wuppertal und Krefeld nun die Karten auf dem Tisch: Jede zweite Stelle in den Redaktionen wird gestrichen. Von 100 Mitarbeitern in den Redaktionen - darunter 80 Redakteure - sollen 50 den Verlag verlassen. Der Mantel wird künftig nicht mehr im eigenen Haus produziert, sondern soll von außen zugeliefert werden - von wem ist nicht bekannt. Ein kleines Team von sieben Redakteuren soll den überregionalen Teil in Düsseldorf zusammenstellen, berichtet Newsroom.de. Auch die Lokalredaktionen der "WZ" sind betroffen: In Mettmann, Neuss und am Niederrhein soll künftig die "Rheinische Post" den Lokalteil zuliefern. In Düsseldorf, Krefeld, Wuppertal und in Burscheid bleiben die Redaktionen erhalten.

Die "Westdeutsche Zeitung" kooperiert bereits seit Jahren mit der "Rheinischen Post", der auflagenstärksten Tageszeitung in Düsseldorf und Umgebung. Die "RP" kümmert sich nicht nur um Druck und Vertrieb des Ortsrivalen, sondern auch um Personaldienstleistungen. Zudem geben beide Verlage gemeinsam mehrere Anzeigenblätter heraus. Mit dem neuerlichen Stellenabbau bei der "Westdeutschen Zeitung" verschieben sich die Kräfteverhältnisse allerdings weiter zugunsten des Platzhirschen: "Da ist nun nicht viel mehr als die Marke 'WZ' übrig", zitiert der "Journalist" einen Kenner der Zeitungslandschaft in Düsseldorf.

Immerhin bekommt die "Westdeutsche Zeitung" ab Mai wieder einen Chefredakteur. Der bisherige erste Journalist Martin Vogler kehrte nicht mehr aus dem Winterurlaub zurück. Offiziell hieß es, man habe sich einvernehmlich getrennt. Offensichtlich wurde Vogler der rapide Auflagenschwund der "WZ" zum Verhängnis. Die Zeitung hat allein den beiden vergangenen Jahren fast 10 Prozent ihrer Auflage eingebüßt. Im vierten Quartal lag die verkaufte Auflage laut IVW noch bei 97.190 Exemplaren.

Der Deutsche Journalisten-Verband Nordrhein-Westfalen kritisierte die angekündigten Stellenstreichungen scharf: "Der Wandel in der Zeitungsbranche geht einmal mehr deutlich zu Lasten der Mitarbeiter", kritisiert Uwe Tonscheidt, stellvertretender Vorsitzender des DJV-NRW. Wieder würden in großem Umfang redaktionelle Arbeitsplätze abgebaut, wieder würden etliche Journalisten ihren Job verlieren. "Das ist ein weiterer Schritt der Verleger, sich von der Meinungsvielfalt zu verabschieden", beklagt Tonscheidt, "und ein weiterer Schritt in Richtung publizistische Sackgasse." dh
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