Julia Jäkel über Facebook & Co. "Galoppierend asymmetrische Verhältnisse"

Dienstag, 04. April 2017
Julia Jäkel
Julia Jäkel
© Jorinde Gersina / Gruner + Jahr

Julia Jäkel liest Mark Zuckerberg die Leviten. In einem Gastbeitrag, der heute in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" erschienen ist, fordert die Chefin von Gruner + Jahr von Facebook konkrete Taten im Kampf gegen Fake News und eine "Partnerschaft auf Augenhöhe". 
Zur Erinnerung: Ende Februar hatte Gruner + Jahr öffentlich gemacht, dass Facebook auch bei dem Hamburger Verlagshaus angefragt hatte, ob man bei der Bekämpfung von Fake News zusammenarbeiten wolle. Bislang tut sich der Internetkonzern schwer, in Deutschland Partner für seine Anti-Fake-News-Kampagne zu finden. Man setze darauf, dass das Management von Facebook an einem "grundsätzlichen Dialog zwischen Publishern und Plattformbetreibern über die künftigen Formen unserer Zusammenarbeit" interessiert sei, ließ Jäkel damals mitteilen. Offensichtlich konnte Facebook diese Zweifel bislang nicht ausräumen. 
In dem Gastbeitrag von Jäkel, der heute im Feuilleton der "FAZ" erschienen ist, schwingt zumindest eine gehörige Portion Skepsis mit, was die wahren Beweggründe für Zuckerbergs jüngste Charme-Offensive gegenüber den klassischen Medien angeht. Facebook schien nach dem Wahlerfolg von Donald Trump in den USA in der öffentlichen Wahrnehmung "quasi über Nacht zu einem Medium sozialer Spaltung geworden zu sein", einem "asozialen Netzwerk", schreibt Jäkel. "So fand sich Zuckerberg, der Facebook-Gründer, in einer ungewohnt dunklen Ecke wieder." Seitdem müsse er seinen und den guten Ruf von Facebook retten, unter anderem durch eine "Goodwill-Tour" mit seiner Frau durch die Vereinigten Staaten, bei der er unter anderem Lokaljournalisten für ihre Arbeit danke.

Teil dieser PR-Offensive war auch viel beachteter offener Brief von Mark Zuckerberg an die Facebook-Community. Darin beschreibt Zuckerburg unter anderem, wie er sich den Journalismus der Zukunft vorstellt: weniger skandalös, privater, holistischer. "Aber wer soll das machen?", fragt Jäkel. "Von Journalisten, also Menschen ist in dem Brief jedenfalls viel weniger die Rede als von künstlicher Intelligenz." Einmal würden Fact Checker erwähnt, die Fake News auf den Grund gehen sollten. Auch bei Gruner + Jahr und anderen Verlagen habe Facebook deswegen angerufen: "Ob wir nicht ein paar Redakteure dafür zur Verfügung stellen könnten?" Gruner + Jahr hat bekanntermaßen abgelehnt - auch aus wirtschaftlichen Gründen.
Gruner + Jahr Zentrale
Bild: Gruner + Jahr

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Facebook und Google schöpfen nach jüngsten Schätzungen rund 85 Prozent der digitalen Werbeausgaben ab, schreibt die Vorstandsvorsitzende: "Facebooks verdienter Erfolg hat also einen unzweideutigen Effekt: Er dreht dem Journalismus langsam aber sicher den Geldhahn zu." Der Internetgigant müsse daher auch endlich seiner immensen Verantwortung gerecht werden: "Wenn es tatsächlich um die Zukunft der Welt geht, sind ein bisschen Goodwill und schöne Worte nicht genug", mahnt Jäkel. "Bevor wir ihm unsere gesamte soziale Infrastruktur anvertrauen, muss Facebook ein paar sehr ernsthafte Probleme lösen. Es muss dem Unternehmen gelingen, der Flut von Fake News und rechter Propaganda, von Beleidigungen, Hetze und Gewaltandrohungen Herr zu werden, die es permanent in die digitale Welt spült." Auch Anzeigenkunden wollten ihre Produkte nicht neben abgeschlagenen Köpfen sehen.
„Facebooks Erfolg dreht dem Journalismus langsam, aber sicher den Geldhahn zu.“
Julia Jäkel
"Was wir brauchen, sind echte, wirtschaftlich belastbare Partnerschaften auf Augenhöhe zwischen Facebook und den Medienunternehmen - anstatt galoppierend asymmetrischer Verhältnisse, in denen sich immer mehr Wissen, Macht und Geld in wenigen Gegenden der amerikanischen Westküste konzentriert", schreibt Jäkel. In ihren Augen sei es ein "Testfall für die neue Weltordnung, wie Facebook mit seinen Problemen umgeht - und mit uns Verlagen und Journalisten. Hier wird sich zeigen, ob es 'Mark' um mehr geht, als schöne Worte." dh 
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