Jugendschutz Apple verbannt "Cicero" mit Joint-Jesus aus dem Zeitungskiosk

Donnerstag, 18. Dezember 2014
Das Corpus delicti: Die aktuelle Ausgabe von "Cicero"
Das Corpus delicti: Die aktuelle Ausgabe von "Cicero"
Foto: "Cicero"

Beim Thema Jugendschutz versteht Apple keinen Spaß. Da muss sogar Jesus von Nazareth draußen bleiben - zumindest wenn er einen Joint in der Hand hält. Ausgerechnet das feinsinnige Politikmagazin "Cicero" wurde nun Opfer der restriktiven Politik des US-Technikkonzerns.
Titelthema der aktuellen Ausgabe, die in in dieser Woche in den Handel kommt, ist "Jesus! Ein anderer Blick auf den Rebellen aus Nazareth". Martin Dreyer, Gründer der "Jesus Freaks" und Initiator der "Volxbibel" beschäftigt sich darin mit der Frage, ob der Sohn Gottes mehr Rebell und Freak als Religionsgründer und Friedensstifter war. Die Titelillustration spielt mit den Insignien der modernen Jugendkultur und zeigt Jesus mit Tattoos, Piercings - und einem Joint in der Hand (siehe Bild unten). In seinem Editorial erinnert Chefredakteur Christoph Schwennicke an eine andere provokante Beschäftigung mit der historischen Figur Jesus: "Als die intelligente britische Blödeltruppe Monty Python 1979 'Das Leben des Brian' in die Kinos brachte, durfte diese Jesus-Persiflage in den USA, Großbritannien und Norwegen zunächst nicht gezeigt werden". Er hätte sich beim Schreiben wohl kaum träumen lassen, dass es der neuen Ausgabe von "Cicero" ähnlich ergehen würde. Das Januar-Heft wurde zwar nicht mit einem Verkaufsverbot belegt, allerdings hatte Apple offensichtlich ein Problem mit dem provokanten Titelbild.

So konnte "Cicero" die Ausgabe partout nicht in den Zeitungskiosk von Apple hochladen. Nach mehreren vergeblichen Anläufen dämmerte es der Redaktion schließlich, dass es offenbar an dem Joint auf dem Titelbild liegen könnte - und siehe da: Mit dem Cover einer älteren Ausgabe ließ sich das E-Paper schließlich problemlos in den Kiosk integrieren.

"Cicero" ist nicht das erste Opfer der restriktiven Auflagen von Apple. 2012 musste der "Focus" das Bild einer barbusigen Frau zensieren - ansonsten wäre die Ausgabe aus dem Apple-Kiosk geflogen. 2010 löste der Konzern eine Welle des Protests aus, als er nach der Veröffentlichung seiner neuen Richtlinien mehrere Tausend Apps wegen angeblich "anstößiger sexueller Inhalte" kurzerhand aus seinem App-Store löschte.

Auch andere US-Konzerne kennen bei Verstößen gegen ihre Richtlinien kein Pardon: So hat Facebook in der Vergangenheit bereits mehrfach Bilder von Zeitschriften-Covern gelöscht - meist wegen nackter Tatsachen. Vergangenes Jahr löschte das Netzwerk ein Titelbild von "Zeit Campus", das eine Femen-Aktivistin mit nackter Brust zeigte, 2012 verschwand ein Cover des "Zeit Magazins" mit einem nackten Mann spurlos aus der Timeline. dh
Das Corpus delicti: Die aktuelle Ausgabe von "Cicero"
Das Corpus delicti: Die aktuelle Ausgabe von "Cicero" (Bild: "Cicero")

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