Journalistenverbände schlagen Alarm DJV gegen Funke-Springer-Deal

Donnerstag, 25. Juli 2013
"Ich bin in großer Sorge": DJV-Chef Michael Konken
"Ich bin in großer Sorge": DJV-Chef Michael Konken

Der Verkauf der regionalen Tageszeitungen und der Zeitschriften von Axel Springer an die Funke Mediengruppe erregt die Gemüter. Die Journalistenverbände DJV und die Deutsche Journalistenunion in Verdi zeigen sich besorgt um die Zukunft der Arbeitsplätze bei den betroffenen Titeln. Sogar der Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz forderte in einer Stellungnahme, dass die Mitarbeiter des "Hamburger Abendblattes" durch den Verkauf keine Nachteile erleiden dürften. Digital-Experten bezeichnen den Verkauf der regionalen Zeitungen durch Springer dagegen als konsequenten Schritt. Den großen Journalistenverbänden schwant nach dem Verkauf großer Teile des traditionellen Printgeschäfts von Axel Springer an die Funke Mediengruppe nichts Gutes: "Ich bin in großer Sorge um die Arbeitsplätze bei den betroffenen Zeitungen und Zeitschriften", sagt Michael Konken, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands DJV. Die Funke-Mediengruppe sei als Nachfolgerin des WAZ-Konzerns berüchtigt für harte Einsparungen zulasten des Qualitätsjournalismus. Die finanziellen Spielräume bei dem Konzern würden durch die kostspielige Übernahme - der Kaufpreis liegt bei 920 Millionen Euro - noch enger. "Die geplante Übernahme der Springer-Titel lässt nichts Gutes ahnen." Konken forderte das Bundeskartellamt daher auf, die Übernahme kritisch zu prüfen und im Zweifel zu untersagen.

Auch die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi ist angesichts der Übernahme alarmiert: "Um die ohnehin hohe Rendite des Springer-Konzerns zu steigern, werden traditionsreiche Zeitungen und Zeitschriften an den WAZ-Konzern verkauft, der sich mit der Entlassung der gesamten Redaktion der 'Westfälischen Rundschau' bereits einen unrühmlichen Namen als unsozialer Profitmaximierer gemacht hat", kritisiert der stellvertrende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke. Dass sich die betroffenen Mitarbeiter auf Einschnitte gefasst machen müssen, steht für den Gewerkschaftschef außer Frage: "Da die Axel Springer AG aber ihre bisherige sozialpartnerschaftliche Haltung zugunsten von Renditesteigerungen aufgegeben hat und die Funke-Gruppe ohnehin nur an hohen Gewinnen interessiert ist, ist nicht damit zu rechnen, dass es tarifliche Absicherung ohne Gegenwehr der Betroffenen geben wird."

Deutlich zurückhaltender im Ton, aber ebenfalls besorgt äußert sich der Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz: "In den vergangenen Monaten hat die Funke Gruppe vor allem mit harten Sanierungsschnitten bei ihren Regionaltiteln Aufmerksamkeit erregt. Angesichts der guten Arbeit der Abendblatt-Redaktion sollte derartiges in Hamburg nicht notwendig sein. Weder das 'Abendblatt' selbst noch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen durch den Verkauf Nachteile erleiden, wenn guter und profitabler Regionalzeitungsjournalismus auch hier in Hamburg eine Zukunft haben soll."

Es gibt aber auch Stimmen, die dem Verkauf von großen Teilen des traditionellen Printgeschäfts durch Axel Springer Anerkennung zollen: "Der Verkauf von 'Hörzu', 'Berliner Morgenpost' und 'Hamburger Abendblatt' an den Verlag der WAZ ist nur konsequent", sagt Daniel Höpfner, Geschäftsführer von Press Matrix. Springer wolle der führende Verlag für digitale Inhalte in Europa werden. Mit dem Verkaufserlös für die regionalen Zeitungen und Zeitschriften habe der Medienkonzern nun "enormen Spielraum, bestehende Produkte und neue Digitalprojekte voranzutreiben". dh
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