Journalistenschulen Charta für mehr Qualität

Montag, 11. Juli 2016
Journalistenschulen schmieden Qualitäts-Allianz
Journalistenschulen schmieden Qualitäts-Allianz

Elf Journalistenschulen haben sich auf Kriterien für eine qualitativ hochwertige Ausbildung und Transparenz verständigt. Die freiwillige Selbstverpflichtung stößt auf Zuspruch, aber auch auf Forderungen, die Regeln zu präzisieren und auszuweiten.

Es war eine jener Veranstaltungen, bei denen wegen Überfüllung draußen noch einmal so viele Interessenten abgewiesen werden mussten wie drinnen teilnehmen konnten. Mehrere Journalistenschulen nutzten die Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche am Wochenende in Hamburg, um eine Charta vorzustellen, mit der sie sich erstmals freiwillig wenigstens auf einige Mindeststandards und eine gewisse Transparenz verpflichten.

Es gehe darum, jenen unabhängigen und kritischen Journalismus zu fördern, den eine demokratische Gesellschaft zur Verständigung und Orientierung braucht, heißt es in der Präambel. Gerade in Zeiten, in denen journalistisches Arbeiten schwieriger wird, müsse die Glaubwürdigkeit des Journalistenberufs gestärkt werden. Das funktioniere nur mit handwerklich gut ausgebildeten Journalisten, die Haltung mitbringen und den beruflichen Herausforderungen gerecht werden. Entsprechend verpflichten sich die unterzeichnenden Schulen zu einer qualitativ hohen und zeitgemäßen Ausbildung. Das jedenfalls ist der Anspruch der Charta.

Mit einem Siegel, deutlich erkennbar auf den Webseiten der Journalistenschulen platziert, bekennen sich die Unterzeichner zu einigen Standards, unter anderem dazu,

-         in Vollzeit auszubilden,

-         die Ausbildung multimedial anzulegen, damit die Teilnehmer in mindestens drei von fünf Bereichen (Print, Audio, Online, Video, Social Media) handwerklich sicher arbeiten,

-         mindestens ein Viertel der Ausbildungszeit für Praxisstationen aufzuwenden,

-         professionell ausgestattete Lehr- und Arbeitsräume anzubieten sowie

-         Wert zu legen auf die regelmäßige Fortbildung ihrer Trainer.

Da sich die Schulen teilweise stark voneinander unterscheiden, ist die Charta zweigliedrig angelegt. Die linke Spalte mit den Mindestanforderungen ergänzt jede Schule um individuelle Angaben und Besonderheiten der eigenen Einrichtung (hier das Beispiel der Evangelischen Journalistenschule).

Die elf Erstunterzeichner sind die Axel Springer Akademie, die Burda Journalistenschule, die Deutsche Journalistenschule, die Evangelische Journalistenschule, die Elektronische Medienschule, die Henri-Nannen-Schule, die katholische Journalistenschule ifp, die Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, die Kölner Journalistenschule , die Medienakademie Ruhr sowie die RTL-Journalistenschule.

Es ist also mit Blick auf Profil und Renommee eine recht illustre Runde, die sich da zusammengefunden hat. Doch offensichtlich hat der für weitere Teilnehmer offene Elferbund mit seiner Charta einen Nerv getroffen. Das zeigte nicht nur die Anzahl der Interessierten bei der Präsentation der Charta am vorigen Wochenende, sondern auch die rege Beteiligung und die Vielzahl der Fragen. Schnell war klar, dass es bei diesem kleinsten gemeinsamen Nenner, diesem „ersten Aufschlag“, wie es Jörg Sadrozinski von der Deutschen Journalistenschule in München formuliert hat, nicht bleiben darf.

Mehrfach wurden Forderungen laut, die Mindeststandards zu präzisieren, zu verschärfen und sie von den reinen Vollzeit-Ausbildungsstätten auf weitere auszuweiten. Auch erachteten es einige als sinnvoll, trüge die Charta etwa durch Ausschlusskriterien dazu bei, sich von der Vielzahl dubioser Anbieter abzugrenzen.

Immerhin: Die Charta könnte eine Debatte über den Zustand und die Notwendigkeiten einer guten Journalistenausbildung entfachen. Schon ist die Rede davon, dass im nächsten Schritt auch eine Charta für journalistische Fortbildungseinrichtungen geplant ist. usi

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