"Journalisten des Jahres" "SZ"-Reporter für Aufdeckung der "Panama Papers" ausgezeichnet

Mittwoch, 08. Februar 2017
Die Veröffentlichung der Panama Papers hat SZ ein Zugriffsplus beschert
Die Veröffentlichung der Panama Papers hat SZ ein Zugriffsplus beschert
© Panamapapers.sueddeutsche.de

Die drei Investigativ-Reporter der "Süddeutschen Zeitung" Bastian Obermayer, Frederik Obermaier und Vanessa Wormer sind am Dienstagabend in Berlin als "Journalisten des Jahres" ausgezeichnet worden. Damit wird ihr Beitrag zur Aufdeckung der "Panama Papers" im Frühjahr 2016 gewürdigt. Den umfangreichen, monatelangen Recherchen zufolge, an denen die Zeitung federführend beteiligt war, haben Politiker, Prominente und Sportler in hunderttausenden Briefkastenfirmen in Panama ihr Vermögen geparkt, um Steuern zu sparen.

Die Jury, die für die Branchenzeitschrift "medium magazin" über die Preisträger zu entscheiden hatte, nannte die "Panama Papers" den "Scoop des Jahres". Laudator Hajo Seppelt, selbst vielfach ausgezeichneter Journalist, bezeichnete die Arbeit an den "Panama Papers" als gigantisches globales Projekt und als Paradebeispiel dafür, was Journalismus als Korrektiv und Signalgeber bewirken könne.

"Journalismus ist ein Bollwerk gegen Manipulation der Meinung", sagte Seppelt. "Die Antwort auf Dummheit ist Recherche." Mit Berichterstattung wie der zu den «Panama Papers» zeige der Journalismus, dass er sein Geld wert sei.

Vanessa Wormer betonte, die Arbeit an den "Panama Papers" sei für das Team eine völlig neue Erfahrung gewesen. "In den letzten Monaten waren rund 400 Journalisten weltweit daran beteiligt." Ihr Kollege Frederik Obermaier wies darauf hin, dass das aufwendige Rechercheprojekt auch ein großes Risiko gewesen sei, für das Team, aber auch für die Zeitung. Gleichzeitig sei es so, dass Journalisten in Deutschland immer noch "in einer Komfortzone" recherchierten.

"Wir sollten nicht vergessen, dass wir es in Deutschland sehr, sehr gut haben." Ihm sei das noch einmal bewusst geworden, als er vor Kurzem mit türkischen Kollegen telefoniert habe. Der Dritte des Trios, Bastian Obermayer, war nicht bei der Preisverleihung dabei. Er wandte sich aus den USA per Videobotschaft an die Gäste.

Vergeben wurden Auszeichnungen in zehn weiteren Bereichen. Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali erhielt sie in der Kategorie Politik, nicht zuletzt für "ihre klugen Interviews" im ZDF-"Morgenmagazin". In der Kategorie Unterhaltung wurde Jan Böhmermann ausgezeichnet, Moderator des "Neo Magazin Royale" bei ZDFneo, der schon in der vergangenen Woche den Deutschen Fernsehpreis im Bereich "Beste Unterhaltung Late Night" entgegengenommen hatte.

Der Autor, Filmemacher und Gründer der Produktionsfirma dctp, Alexander Kluge, der in der kommenden Woche 85 Jahre alt wird, erhielt den Ehrenpreis für sein Lebenswerk. Kluge machte nicht viele Worte: Er ließ stattdessen bewegte Bilder sprechen. Diesen Preis für sein Lebenswerk zu bekommen, mache ihn stolz, sagte er. Und wies auf die Bedeutung hin, die Journalismus nach seiner Überzeugung hat: "Der Kampf um die Öffentlichkeit ist das Wichtigste, was wir gewinnen können." dpa

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