"Jim Pandzko" Jan Böhmermann lässt Schimpansen Pop-Song aus Werbeslogans basteln

Donnerstag, 06. April 2017
Jan Böhmermann alias Jim Pandzko
Jan Böhmermann alias Jim Pandzko
Foto: Screenshot Youtube

Neuer Geniestreich von Jan Böhmermann: Mit einem satirischen Musikvideo zieht der Moderator nicht nur die aktuelle Welle gefühlsduseliger deutscher Popsongs durch den Kakao, sondern nimmt auch die Bildsprache von Werbespots auf's Korn. In seiner neuen Sendung teilt er außerdem kräftig gegen die deutsche Musikindustrie aus.
Schon der Songtitel macht klar, wohin die Reise geht: "Menschen Leben Tanzen Welt" - Begriffe, ohne die aktuell kaum ein deutscher Popsong auskommt. Der Refrain des eingängigen Songs besteht lediglich aus diesen vier Begriffen. Der Text, der aus Kalendersprüchen, Zeilen aktueller Popsongs, Werbeslogans und Tweets der Youtube-Stars Bibi und Sami Slimani zusammengestellt wurde, treibt die Schablonenhaftigkeit vieler aktueller Radiohits dann endgültig auf die Spitze. Die Abfolge der Textzeilen bestimmten übrigens fünf Schimpansen aus dem Zoo Gelsenkirchen nach dem Zufallsprinzip. Auch das Video lässt kein Klischee aus: Jan Böhmermann inszeniert sich mit Wuschelmähne und lässigem Hipster-Shirt als Prototyp des Schmusesängers. Die weichgezeichneten Bilder des Videos wurden ausschließlich aus Stockfootage zusammengeschnitten, der Clip erinnert daher nicht von ungefähr an aktuelle Werbespots. 

Die in vielen Musikvideos gängigen Produktplatzierungen werden ebenfalls auf's Korn genommen. Die übertriebene Platzierung des fiktiven Trendgetränks "Glump Alkoholcola" erfolgte laut Abspann natürlich lediglich aus "dramaturgischen Gründen - um den frischen Lebensdurst und die geschmackliche Treffsicherheit des Künstlers zu illustrieren". Schimpansen kamen bei den Dreharbeiten übrigens nicht zu Schaden, wird am Ende des Videos klargestellt; "Drei der beteiligten Menschenaffen hatten 
jedoch hinterher ein schlechtes Gewissen".

In der neuen Ausgabe seiner Sendung "Neo Magazine Royale" geht Böhmermann anlässlich der Verleihung der Echos am heutigen Abend außerdem hart mit deutschen Musikindustrie ins Gericht. 
Der wichtigste deutsche Musikpreis ehre zu oft "seelenlose Kommerzkacke". Songs wie die des zweifach nominierten Sängers Max Giesinger zeichneten sich vor allem durch leere Songtexte und unverfängliche Inhalte aus. 
Die deutsche Popmusik der letzten Jahre sei vom Schlager kaum noch zu unterscheiden, findet Böhmermann: "Gefühle abklappern, Trost spenden, Tiefe vorgaukeln, Millionen erreichen und verdienen und dabei immer schön unpolitisch und abwaschbar bleiben." Neben dem "Heile-Welt-Getue" kritisierte er Schleichwerbung in Musikvideos und fragte: "Ist der Echo eigentlich der Preis der deutschen Musikindustrie oder der Preis der deutschen Industriemusik?" dh/dpa
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