Yahoo-Deal offiziell Verizon will Google und Facebook angreifen / Was wird aus Marissa Mayer?

Montag, 25. Juli 2016
So oder so fein raus: Marissa Mayer
So oder so fein raus: Marissa Mayer
Foto: Yahoo

Heute Morgen war es noch ein unbestätiger Medienbericht, jetzt ist die Tinte unter dem Vertrag trocken: Der Internet-Pionier Yahoo verliert nach über 20 Jahren seine Eigenständigkeit. Das Web-Geschäft wird vom Telekom-Konzern Verizon übernommen. Der Kaufpreis liegt bei rund 4,8 Milliarden Dollar beziehungsweise umgerechnet 4,4 Milliarden Euro, wie die Unternehmen am Montag mitteilten.
Verizon-CEO Lowell McAdam hat eine große Vision: Die Übernahme von Yahoo soll Verizon zu einem der weltweit führenden mobilen Medienunternehmen machen und den Umsatz mit digitaler Werbung massiv nach oben schrauben. Die erste Hürde auf diesem Weg hatte Verizon aus Sicht von McAdam vor rund einem Jahr genommen. Damals hatte sich der Konzern mit der Übernahme von AOL für 4,4 Milliarden US-Dollar ein Unternehmen gesichert, das mit der Huffington Post, TechCrunch, Engadget, der Video-Plattform Makers und dem Portal AOL.com vor allem auf der Inhalte-Seite breit aufgestellt ist und mit ONE by AOL zudem eine Programmatic-Plattform für Werbungtreibende und Publisher betreibt.  Mit der Übernahme des Kerngeschäfts von Yahoo sichert sich Verizon nun neben dem Portalgeschäft mit Special-Interest-Sites zu Bereichen wie Finanzen, News und Sport vor allem einen hoch frequentierten E-Mail-Dienst, der laut Unternehmensangaben 225 Millionen monatliche Nutzer hat. Auch Yahoos Programmatic-Plattform Brightroll, der Mobile-Apps-Analyse-Spezialist Flurry und der Native- und Search-Advertising-Anbieter Gemini schlüpfen im Zuge der Übernahme bei Verizon unter. 

Yahoo gehört jetzt Verizon
Yahoo gehört jetzt Verizon (Bild: Yahoo)
McAdam weiß genau, was nun zu tun ist: Der Verizon-Boss will Yahoo und AOL zusammenlegen, um besser mit Google und Facebook bei Online-Werbung konkurrieren zu können. Doch ob die beiden einstigen Rivalen harmonieren? Tim Armstrong gibt sich jedenfalls kooperativ. "Der Zusammenschluss von Verizon, AOL und Yahoo wird einen starken und wettbewerbsfähigen Rivalen im Mobile-Markt schaffen", ist sich der AOL-Boss sicher. Auch Werbekunden und Publisher würden davon profitieren, so Armstrong weiter. 

Nimmt man das Statement von Marissa Meyer in der offiziellen Verizon-Pressemitteilung für bare Münze, dann kann auch die bisherige Yahoo-Chefin dieser Vision einiges abgewinnen: "Yahoo und AOL haben Internet, E-Mail, Suche und Echtzeit-Mediennutzung populär gemacht. Es ist geradezu poetisch, dass nun Yahoo, AOL und Verizon die Kräfte bündeln, um gemeinsam das nächste Kapitel Mobile aufzuschlagen", sagt Mayer.

Was jetzt aus Mayer wird, ist unklar. Auf Tumblr erklärte die Managerin am Montag, dass sie nicht vor hat, ihren Hut zu nehmen. "Ich persönlich plane, zu bleiben", schrieb sie in dem Blogeintrag am Montag. Fest steht: Yahoo wird genau wie AOL künftig von Marni Walden geführt, der sich bei Verizon um die Bereiche Produkt-Innovation und Neugeschäft kümmert. Ob da noch Platz für einen Yahoo-CEO ist, wird man sehen. Der Worst Case wäre für Mayer aber auch verkraftbar. Falls die 40-Jährige nach der Übernahme gefeuert werden sollte, steht ihr immerhin eine Vergütung von rund 55 Millionen Dollar zu. Neben einer Abfindung in Höhe von drei Millionen Dollar in bar besteht das dicke Paket fast ausschließlich aus Aktien. mas/dpa
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