Islam-Debatte 150 Beschwerden beim Presserat zu "BamS"-Kommentar

Dienstag, 29. Juli 2014
"Bild"-Chef Kai Diekmann ist der Cover-Boy der heutigen "taz"
"Bild"-Chef Kai Diekmann ist der Cover-Boy der heutigen "taz"


Trotz der raschen und eindeutigen Reaktion von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann auf den Anti-Islam-Kommentar von Nicolaus Fest in der "Bild am Sonntag" kommt das Thema nicht zur Ruhe: Auf Anfrage des "Tagesspiegels" gab der Deutsche Presserat bekannt, dass es bis Montag knapp 150 Beschwerden über den Text gegeben habe. Diekmann hat es unterdessen mit seiner Replik ("Keine Pauschalurteile über den Islam!") auf die Titelseite der "taz" geschafft.
"Der Islam gehört zur 'Bild'" titelt die linke Tageszeitung und attestiert Diekmann, mit seiner Klarstellung ein "Fatwa", also ein islamisches Rechtsgutachten, abgegeben zu haben. Diekmann hatte in der "Bild" im Namen von Zeitung und Verlag auf den Kommentar von "BamS"-Vize Fest reagiert, der den Islam am Sonntag als "Integrationshindernis" bezeichnet hatte. In ihrem, und jetzt wird es kompliziert, Kommentar zum Kommentar zum Kommentar schreibt "taz"-Autorin Bettina Gaus nun, Fest habe im Prinzip nichts anderes geschrieben als andere Titel. "In der 'FAZ' sind ähnliche Behauptungen wie jetzt im Kommentar der 'Bild-Zeitung' regelmäßig zu lesen, nur eleganter formuliert und intellektuell verbrämt."

Fests fehlende Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus ("Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht.") beschäftigt auch viele Leser und in der Folge auch den Presserat. Nach einem Tag seien bereits 148 Beschwerden eingegangen, sagte Geschäftsführer Lutz Tillmanns dem "Tagesspiegel".

Beanstandet worden sei vor allem ein möglicher Verstoß gegen Ziffer 10 des Pressekodex, nach der die Presse darauf verzichtet, religiöse Überzeugungen zu schmähen, sowie eine mögliche Verletzung von Ziffer 12, wonach die Diskriminierung wegen der Zugehörigkeit zu einer religiösen Gruppe unzulässig ist. Weniger häufig sei ein möglicher Verstoß gegen die Wahrung der Menschenwürde beanstandet worden.

Unterdessen hat der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Serdar Yüksel (SPD) bei der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Fest Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Der Politiker schreibt: "Die Aussagen von Nicolaus Fest sind pauschalisierend, herabwürdigend und stacheln offen zum Hass gegen Menschen muslimischen Glaubens an. Herr Fest nutzt seine publizistischen Möglichkeiten um Vorurteile, Ängste und Menschenfeindlichkeit gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe zu schüren." fam

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