Angebliches Psycho-Targeting Facebook bezeichnet australischen Zeitungsbericht als "irreführend"

Dienstag, 02. Mai 2017
Facebook steht wegen einer umstrittenen Studie in der Kritik
Facebook steht wegen einer umstrittenen Studie in der Kritik
Foto: Facebook

Viel ist derzeit die Rede von Falschnachrichten, die erst über Facebook große Verbreitung erfahren. Nun fühlt sich Facebook selbst als Opfer von Fake News. Grund ist ein in Australien erschienener Zeitungsbericht. Darin wird einem großen Werbekunden angeblich erklärt, wie er stimmungsbezogene Daten von jungen Nutzern für gezielte Anzeigenschaltungen einsetzen könne.
Auch wenn es angeblich nicht mehr viele Teenager auf Facebook geben soll, stellen sie offensichtlich immer noch eine begehrte Zielgruppe dar. Dies legt auch der Bericht nahe, der am Wochenende im "Australian" erschienen ist. Thema ist ein interner Facebook-Report, der aufzeigen soll, wie das soziale Netzwerk anhand von Posts und Fotos herausfinden kann, ob sich ein Nutzer "ängstlich", "wertlos" oder "gestresst" fühlt. Dieses Wissen könnten Werbungtreibende für gezieltes Targeting einsetzen. Angeblich geht es dabei besonders um Highschool-Schüler, College-Studenten und junge Arbeitskräfte.
Die Datenanalysen, die Facebook ohne Wissen der Nutzer durchgeführt haben soll, beziehen sich etwa auf den Beziehungsstatus, den Ort oder die Zahl der Freunde eines Nutzers. Auch wie oft man Facebook mobil oder stationär besucht soll in die Analyse Eingang gefunden haben. Erstellt wurde der Report laut "Guardian" von den australischen Facebook-Führungskräften David Fernandez und Andy Sinn. Gedacht war das Papier demnach für eine australische Großbank.

Wie der "Guardian" berichtet, habe sich Facebook in einem ersten Statement entschuldigt und eine Untersuchung sowie disziplinarische Maßnahmen angekündigt. Nun jedoch verbreitet der Konzern ein offizielles Statement - und das liest sich ganz anders. In der Stellungnahme heißt es, der Artikel des "Australian" sei irreführend: "Facebook bietet keine Tools an, um Menschen aufgrund ihrer Gemütslage anzusprechen." Vielmehr handele es sich um anonymisierte und kumulierte Daten, die Marketern zeigen sollten, wie die Nutzer auf Facebook sich ausdrücken. Gleichwohl entsprach die Forschungsarbeit offenbar nicht den Facebook-Standards. Die Details würden derzeit überprüft, heißt es am Schluss des Statements. Im vergangenen Jahr war Facebook aufgrund von Targeting-Praktiken schon einmal in die Kritik geraten. Bis November 2016 war es Werbungtreibenden noch möglich, Werbeanzeigen anhand der ethnischen Zugehörigkeit von Nutzern zu optimieren. Dadurch konnten etwa Wohnungsvermieter verhindern, dass Schwarze auf ihre Anzeigen aufmerksam werden. Nach Protesten von Bürgerrechtlern schaltete Facebook die Targeting-Funktion für bestimmte Anzeigen ab.

Bereits zwei Jahre zuvor hatte eine Studie von Facebook-Forschern für Gesprächsstoff gesorgt, bei der die Inhalte im Newsfeed von über 700.000 Nutzern gezielt verändert wurden. Ziel war herauszufinden, inwieweit Facebook-Posts die Stimmung der Nutzer beeinflussen können. ire
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