Instant Articles Auch der "Guardian" steigt aus

Montag, 24. April 2017
Instant Articles bringen Publishern unterschiedliche Ergebnisse
Instant Articles bringen Publishern unterschiedliche Ergebnisse
© Facebook

Nach der "New York Times" kehrt mit dem "Guardian" ein weiteres namhaftes Medium Facebooks Instant Articles den Rücken. Damit verliert das soziale Netzwerk einen der Launchpartner des Programms. Der Grund für den Rückzug des "Guardian" kann Facebook nicht gefallen.
Der "Guardian" gehörte im Frühling 2015 zu den ersten Medien, die Facebooks Instant Articles nutzten. Im vergangenen Jahr intensivierten die Londoner ihre Bemühungen und veröffentlichten jeden einzelnen Artikel auf Facebook als Instant Article.
Doch offensichtlich ist es trotz "umfassender Tests" nicht gelungen, die eigenen wirtschaftlichen Ziele mit dem Format zu erreichen, wie sich aus einem Statement des "Guardian" gegenüber "Digiday" herauslesen lässt. Auch die Apple-News-Plattform verlässt der "Guardian" aus dem gleichen Grund. Es sei "das oberste Ziel", die Leser in die vertrauenswürdige Umgebung des "Guardian" zu holen, um so mehr Nutzer und höhere Umsätze zu generieren, heißt es in dem Statement weiter.
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Bild: Facebook

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Instant Articles sind seit einem Jahr global verfügbar. Die Microsites laden deutlich schneller als externe Links. Das soll die Engagement-Raten in die Höhe treiben, so das Versprechen Facebooks an die Publisher - aber vor allem halten Instant Articles den Leser in der Facebook-Umgebung. Partner-Verlage können die Vermarktung entweder selbst in die Hand nehmen und 100 Prozent der Erlöse behalten. Oder sie holen Facebook ins Boot. In diesem Fall gehen 70 Prozent an die Verlage, den Rest bekommt Facebook.

Doch offenbar verspricht sich der zum Sparen gezwungene "Guardian" mehr davon, die Leser auf den eigenen Plattformen zu monetarisieren. Damit sind die Briten nicht allein: Auch die "New York Times" hat das Handtuch bereits geworfen, andere Publisher haben die Zahl ihrer Instant Articles zurückgefahren. Und Mathias Müller von Blumencron, Digitalchef der "FAZ" und Facebook gegenüber recht kritisch eingestellt, fällte im einem Interview mit "Meedia" kürzlich sogar ein vernichtendes Urteil: "Wir haben viel mit Instant Articles herumexperimentiert und festgestellt, dass uns das so gut wie nichts bringt."
Auf Twitter legte Müller Blumencron nun nach: "Instant Articles an den Konzern zu verschenken, macht schlicht keinen Sinn", schrieb er zum "Guardian"-Ausstieg.

Gleichwohl gibt es auch Erfolgsgeschichten: Springers "Bild", 2015 neben Spiegel Online Facebooks Launchpartner in Deutschland, lockt über die Werbeplätze in Instant Articles neue Digital-Abonnenten an. Das deutsche Digital-Magazin t3n konnte mit Instant Articles bei Traffic, Verweildauer und Umsatz gute Ergebnisse erzielen. Andere Partner-Medien wie "KIT" aus Schweden oder die spanische Tageszeitung "El País" konnten ihre Reichweite durch den Einsatz von Instant Articles deutlich steigern. ire
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