Insolvente "Abendzeitung" Mit Preiserhöhung gegen das Aus

Mittwoch, 16. April 2014
Ein Motiv aus der "AZ"-Kampagne (Bild: Abendzeitung)
Ein Motiv aus der "AZ"-Kampagne (Bild: Abendzeitung)


Die insolvente Münchener "Abendzeitung" soll unter anderem durch eine Preiserhöhung gerettet werden: Ab dem 28. April wird eine Ausgabe einen Euro statt 60 Cent kosten, am Wochenende soll der Preis auf 1,20 Euro steigen. Das sagte Insolvenzverwalter Axel Bierbach gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Unterstützt wird diese Maßnahme durch eine "offensive und selbstbewusste Werbekampagne". Deren Claim lautet: "Wir verkaufen uns nicht mehr unter Wert". Zur Verdeutlichung wird auf einem Motiv der Preis für eine "AZ" in Relation zu den Kosten für einen Cappuccino oder ein Croissant gesetzt. Neben Plakaten im Verbreitungsgebiet der "AZ" kommen auch Radiospots und Werbemittel im Internet zum Einsatz. Außerdem werden am 30. April Prominente wie Schauspieler Christian Tramitz oder der Münchener Oberbürgermeister Christain Ude auf dem Viktualienmarkt in der bayerischen Landeshauptstadt um Leser werben. Bei denen solle am Ende hängen bleiben, "dass man dieses Qualitätsprodukt Zeitung nicht mehr für 60 Cent herstellen kann", so Bierbach.

Neben der Preiserhöhung, die sich ausschließlich auf den Einzelverkauf und nicht auf Abonnements beschränkt, sollen Kostenreduktionen bei der Rettung der "AZ" greifen. So habe der Verlag die Druckkosten um etwa 50 Prozent gesenkt. Dies gilt zwar nur bis Ende Mai, wenn die vorläufige Insolvenzphase ausläuft. Aber auch danach erwartet Bierbach keine wesentlichen Steigerungen der Druckkosten, "weil wir nur noch Marktpreise akzeptieren". Was Bierbach ebenfalls Hoffnung macht: Seit Bekanntgabe der Insolvenz seien die Abozahlen relativ stabil geblieben und der Absatz im Einzelverkauf nicht zurückgegangen. Von den verkauften 100.000 Exemplaren seien knapp 30.000 aus Abonnements.

Letztendlich wird die Sanierung der "AZ" jedoch nur mit einem neuen Investor möglich sein. Bierbach gibt gegenüber der "SZ" zu Protokoll, dass er "mit sieben bis acht Parteien aus dem süddeutschen Raum" in Gesprächen stehe. In welcher Form der Titel fortgeführt werden könnte, etwa als Online-Zeitung unter der Woche und nur am Wochenende als gedruckte Ausgabe, ist unklar. Bierbach will aber nichts ausschließen: "Es ist vieles denkbar, und ich prüfe alles. Es gibt keine Denkverbote."

Die Münchener "Abenzeitung" hatte am 5. März beim Amtsgericht München Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die Eigentümerfamilie Friedmann hatte sich nicht mehr in der Lage, der Zeitung noch mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Das Jahr 2013 hatte der Verlag mit einem Minus von rund 10 Millionen Euro beendet. Laut Bierbach hatte die "AZ" "seit Jahren mit jeder verkauften Zeitung 30 bis 40 Prozent Verlust" gemacht. ire
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