Inside Facebook SZ Magazin enthüllt Arbeitsbedingungen und Regelwerk der "Content-Moderatoren"

Freitag, 16. Dezember 2016
Die Facebook-Zentrale in Menlo Park
Die Facebook-Zentrale in Menlo Park
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SZ Facebook Arvato Berlin


Nach welchen Regeln Facebook Posts seiner Mitglieder löscht, das war bislang ein großes Geheimnis. Das "SZ Magazin" bringt nun etwas Licht ins Dunkel. Die exklusiv recherchierte Geschichte mit dem Titel "Inside Facebook" deckt auf, wie die sogenannten "Content-Moderatoren" arbeiten.
Wie das "SZ Magazin" unter Berufung auf derzeitige und frühere Mitarbeiter von Arvato berichtet, sind mehr als 600 Mitarbeiter in Berlin für Facebook als sogenannte "Content-Moderatoren" im Einsatz. Deren Aufgabe ist es, Facebook-Beiträge zu überwachen und bei einem Regelverstoß zu löschen. Höherrangige Mitarbeiter, die auch Videos begutachten, sollen dazu nur etwa acht Sekunden Zeit haben - pro Fall.  Dass Facebook den Dienstleister Arvato mit der Löschung von Beiträgen beauftragt hat, war Anfang des Jahres bekannt geworden. Wie das "SZ Magazin" nun berichtet, sollen die Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern kommen und je nach Muttersprache in verschiedenen Teams arbeiten. Unter anderem soll es Gruppen für die Sprachen Arabisch, Türkisch, Italienisch und Französisch geben. Oftmals sollen die Mitarbeiter aber kein Deutsch sprechen. Das Gehalt solle laut Aussagen der betroffenen Mitarbeiter nur knapp über dem Mindestlohn liegen: Das Monatsgehalt betrage rund 1500 Euro brutto, heißt es.

Die Angestellten am Wohlrabedamm in der Berliner Siemensstadt entscheiden dem Bericht zufolge generell nach "Gemeinschaftsstandards" darüber, ob bestimmte Inhalte gegen die Werte und Nutzerbedingungen von Facebook verstoßen. Detailliert klären diese "Parallelgesetze der Meinungsfreiheit", wie das "SZ Magazin" die Regeln nennt, darüber auf, wann ein Regelverstoß vorliegt und wann nicht. So schreibt die Zeitschrift beispielsweise: "Was auf dem Bild zu sehen ist, spiele keine Rolle, sondern nur die Kombination von Bild und Text. Als Beispiel werden Kommentare aufgezählt, die Gewalt bejubeln. Wenn jemand unter ein Foto eines Sterbenden schreibt: "Seht euch das an - so cool" oder "Fuck yeah" - nur dann müssen solche Bilder nach dieser Bestimmung gelöscht werden."

Trotz des Regelwerks berichteten viele der Befragten neben Stress und Überlastung von "unübersichtlichen Vorgaben, welche Inhalte gelöscht werden müssen und welche nicht". Das SZ-Magazin konfrontierte Arvato mit einem schriftlichen Fragekatalog. Der Dienstleister erklärte dazu: "Unser Auftraggeber Facebook hat sich vorbehalten, alle Presseanfragen zu der Zusammenarbeit mit Arvato selbst zu bearbeiten." Und das soziale Netzwerk Facebook hält sich, wie in so vielen Fällen zuvor auch, bedeckt: "Dazu machen wir keine Angaben". Unter dem Hashtag #insideFacebook werden aktuelle Entwicklungen und Stellungnahmen gesammelt. kn
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