"Inhalte-Diebstahl" "Bild" zerrt Focus Online vor den Kadi

Dienstag, 17. Januar 2017
Julian Reichelt, Chefredakteur bild.de, rüffelt die Kollegen von Focus Online.
Julian Reichelt, Chefredakteur bild.de, rüffelt die Kollegen von Focus Online.
© Online Marketing Rockstars

Paukenschlag am Dienstagmorgen: Focus Online sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Das News-Angebot aus dem Hause Hubert Burda Media muss sich vor dem  Landgericht Köln wegen Inhalte-Diebstahls verantworten. Eingereicht hat die Klage die "Bild"-Zeitung.

Wie Axel Springer mitteilt, hat die "Bild"-Zeitung beim Landgericht Köln eine wettbewerbs- und urheberrechtliche Klage gegen Focus Online eingereicht. Der Vorwurf: Focus Online habe "systematisch" exklusive Bezahl-Inhalte von Bild plus abgeschrieben "und zum Teil des eigenen Geschäftsmodells gemacht, das Journalismus reichweitenorientiert vermarktet", heißt es in einer Mitteilung Springers. Bei diesem Vorgehen handele es sich um eine "gezielte Behinderung des Geschäftsmodells von Bild plus sowie eine Verletzung des Datenbankrechts".

Ein Schnellschuss ist die Klage offenbar nicht. Eigenen Angaben zufolge hat Springer über mehrere Monate sämtliche Bild plus-Artikel und deren exklusive Inhalte mit den kostenlosen Inhalten von Focus Online abgeglichen. Das Ergebnis: "Focus Online verwertet systematisch und oft schon unmittelbar nach der Erstveröffentlichung die exklusiven Bild plus- Geschichten auf der eigenen Homepage", heißt es in der Stellungnahme. Mit der Klage verlange "Bild" Unterlassung, Auskunft und Schadensersatzfeststellung. 

„Für uns geht es hier um das Wertvollste, was wir als journalistische Marke haben: unsere mit eigenen Ressourcen recherchierten Inhalte", begründet Julian Reichelt, Chefredakteur Bild Digital, den Schritt. Bild habe zunächst einzelne Fälle gegenüber Focus Online "im Guten kritisiert". Dies habe allerdings keinen Erfolg gehabt. "Leider mussten wir dann feststellen, dass Focus Online systematisch vorgeht und unsere exklusiven Geschichten stiehlt und verwertet, um auf diese Weise kostengünstig, ohne jedes redaktionelle Investment, die eigene Reichweite zu erhöhen", so Reichelt weiter. Mit diesem Verhalten greife Focus Online das Geschäftsmodell einer ganzen Branche an. "Dagegen müssen wir uns wehren.“

Bei Hubert Burda wollte sich niemand zu dem Thema äußern. Grund: Die Klageschrift liegt dem Medienhaus noch nicht vor.  mas

 

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