"Impulse" ist profitabel Wie Nikolaus Förster seinen Verlag zum Nutzwert-Netzwerk umbaut

Donnerstag, 16. März 2017
Nikolaus Förster
Nikolaus Förster
Foto: Impulse
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Inspiring Network Dirk Möhrle Max Bahr


Club statt Kiosk: Im vierten Jahr nach seinem Management-Buy-out wirtschaftet Nikolaus Förster den Impulse-Verlag in die schwarzen Zahlen. Und dies mit einem Geschäftsmodell, das ihn mehr von Kunden und Mitgliedern als von Käufern und Lesern sprechen lässt.

Der Umsatz im Hause „Impulse“ blieb 2016 mit gut 4,2 Millionen Euro relativ stabil. Anders als 2014 (minus 421.000 Euro nach Steuern) und 2015 (minus 158.000 Euro) steht nun jedoch eine schwarze Null unterm Strich (5000 Euro Jahresüberschuss). Als Gründe nennt Nikolaus Förster, Geschäftsführender Gesellschafter und Chefredakteur des früheren G+J-Mittelstandsmagazins „Impulse“, eine Verdopplung der Seminarerlöse und stark gestiegene Digitalwerbeumsätze. Die Print-Anzeigenerlöse seien trotz schwierigen Marktumfelds und trotz der Frequenzreduzierung 2016 auf zehn Hefte pro Jahr (2015: zwölf Hefte) netto stabil geblieben; lediglich die Magazin-Vertriebsumsätze seien leicht zurückgegangen.

(Bild: Impulse)
Kein Wunder angesichts sinkender „harter“ Auflagen: Die Einzelverkäufe sind mit nur noch 435 Heften kaum mehr messbar (Förster: „Unsere Zielgruppe geht kaum zum Kiosk“), die voll bezahlten Abos sanken im 4. Quartal 2016 gegenüber Vorjahr abermals um 13 Prozent auf 15.077 Hefte. Durch zusätzliche 22.848 Mitgliederbezüge einiger Unternehmerverbände liegt die Zahl der Abos bei 37.925 Stück (minus 17 Prozent). Dank jeweils rund 5.000 Lesezirkel- und sonstigen Verkäufen und dank 25.000 Bordexemplaren (plus 25 Prozent) kann „Impulse“ insgesamt eine verkaufte Auflage von 73.843 Heften vermelden (plus 2 Prozent).

Doch Förster ficht das nicht an – er relativiert die zukünftige Rolle seines Magazins. „Noch trägt es das Gros zu Umsatz, Ergebnis und Reputation bei. Es ist markenbildend.“ Doch durch die Entwicklung von Demographie und Unternehmertum in Deutschland sieht er die hart verkaufte Auflage weiter unter Druck. Auf der reinen Abowerbung liegt keine Priorität mehr; auf Lockangebote, Abo-Prämien und -Mindestlaufzeiten hat er von Anfang an verzichtet. Doch wie will Förster mit seinem Verlag stattdessen wachsen und größere Gewinne erzielen?

Vor allem mit seinem Seminarprogramm „Impulse Akademie“, das alle paar Wochen Kurse zu Themen wie Akquise oder Storytelling veranstaltet; digitale Formate sollen bald dazukommen. Außerdem mit „Netzwerktreffen“ (exklusive Unternehmensbesuche, etwa zehnmal pro Jahr), mit Konferenzen (zwei bis drei pro Jahr) und Workshop-Reisen (USA, einmal jährlich). Und hier gibt es eine Zweiklassen-Gesellschaft: „Mitglieder“ zahlen je nach Veranstaltungsformat 120 bis 500 Euro weniger und werden bei Platzknappheit bevorzugt.

Förster spricht von „Mitgliedern im Impulse-Netzwerk“. Das sind diejenigen, die ein Heftabo abschließen (159 Euro für zehn Hefte). Sein Geschäftsmodell: Mit Onlinewerbung trommelt er für die umsatzstarken Seminare und dabei dann für eine Mitgliedschaft im Netzwerk – das Heft sowie den Portal- und Archivzugang gibt’s quasi obendrauf. „Wir möchten Kunden, die verstehen, dass sie von uns profitieren, durch Inspiration und Praxistipps im Magazin und Netz sowie durch Weiterbildung und neue Kontakte auf unseren Veranstaltungen“, sagt Förster.

Entsprechend nennt er Kundenbindung mit vertiefter Wertschöpfung als Grundsatzziel. Daher hat der Verlag den Vertrieb samt Kundenbetreuung bereits 2014 selbst übernommen, anstatt dies Call-Centern zu überlassen. Neben dem Aufbau der Seminare ist dies der Hauptgrund dafür, dass sich die Mitarbeiterzahl seit dem MBO im Januar 2013 von 20 (fast nur Redaktion) auf 38 Festangestellte (die Hälfte Redaktion) fast verdoppelt hat. Allein die Werbevermarktung in Print (Inspiring Network) und Digital (Business Advertising) sowie der Einzelverkauf (VU Verlagsunion) blieben ausgelagert; hier hatte Förster die Dienstleister aus G+J-Zeiten ersetzt.

Stolz ist er darauf, alle Investitionen aus dem Cashflow und dem Eigenkapital bezahlt zu haben. Der junge Verlag ist „schuldenfrei und vollkommen unabhängig“, so Förster. Das Startpolster stammte vom potenten Mitgesellschafter, dem Unternehmer Dirk Möhrle (bis 2005 Chef und Miteigentümer der Baumarktkette Max Bahr), der 25 Prozent am Verlag hält. rp

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