"Impulse" Schwarze Zahlen im Jahre Eins nach G+J

Donnerstag, 27. Februar 2014
"Impulse"-Chefredakteur Nikolaus Förster
"Impulse"-Chefredakteur Nikolaus Förster
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G+j Dirk Möhrle Impuls Minuszahl Gruner + Jahr FTD Köln



Premiere im Plus: Bereits im ersten Jahr nach seinem beherzten Management-Buy-out kann Nikolaus Förster, Geschäftsführender Gesellschafter und Chefredakteur des früheren G+J-Mittelstandsmagazins "Impulse", schwarze Zahlen präsentieren. Doch hinter dem kleinen Gewinn verbergen sich Plus- und Minuszahlen im Detail - und ein turbulentes Jahr. Einen Umsatz von 5,2 Millionen Euro kann der kleine Verlag, der Förster und dem Unternehmer Dirk Möhrle (zweistelliger Minderheitsanteil) gehört, für 2013 verbuchen. Das ist etwa ein Fünftel weniger als 2012, dem letzten Jahr unter dem Dach von Gruner + Jahr. Grund sind vor allem um eine zweistellige Rate gesunkene Anzeigenerlöse, die nun etwa bei 2,4 Millionen Euro liegen dürften. In einer ähnlichen Höhe dürften sich die Vertriebsumsätze bewegen, die 2013 "trotz des Verzichts auf Aboprämien und wenig Marketing fast konstant gehalten werden konnten", so Förster in einem Pressegespräch. Die übrige knappe halbe Million Euro Umsatz stammt von Konferenzen, Workshops und Weiterbildungsreisen.

Doch warum der Einbruch im Werbegeschäft? Das Aus des ehemaligen G+J-Schwestertitels "FTD" Ende 2012 habe alle Werbekunden der Wirtschaftsmedien verunsichert, und speziell bei "Impulse" hätten viele nach seinem Management-Buy-out (MBO) zunächst einmal abwarten wollen, sagt Förster. Zudem habe es zwei Vermarktungswechsel mit entsprechenden Friktionen gegeben: Zwar hatte er fürs erste Jahr praktischerweise G+J Media Sales beauftragt, sein Heft dort aber intern umgruppiert. Und dann hat Förster im August verkündet, "Impulse" ab 2014 vom kleinen Verlag Inspiring Network ("Emotion") vermarkten zu lassen - was die Motivation der G+J-Kollegen zum Schluss wohl nicht gerade angestachelt hat. Die Digitalvermarktung betreut seit Januar Business Ad in Köln. Und immerhin: In den ersten beiden Monaten 2014 seien Print- und Online-Werbeumsätze gestiegen, so Förster.

Zurück zur Bilanz: In 2013 hat "Impulse" einen Vorsteuergewinn von knapp 230.000 Euro erzielt und (nach Steuern) einen Jahresüberschuss von 150.000 Euro, und das trotz (Einmal-) Gründungskosten von 180.000 Euro. Zudem sei der Gewinn höher als im letzten G+J-Jahr 2012, so Förster: "Freiheit zahlt sich aus." Grund seien gesunkene Overheadkosten (etwa die Büromiete in den neuen Räumen), neu verhandelte Dienstleisterverträge, günstigerer Einkauf und effizientere Organisation. Die Stellenzahl ist seit dem MBO um 13 auf 33 gestiegen, je zur Hälfte Redaktion und Verlag. Die Mitarbeiter können künftig am Gewinn teilhaben.

Die Umsatzrendite 2013 nach Steuern beträgt 2,9 Prozent, das ist leicht unter dem Niveau anderer Mittelständler und deutlich unter den oft zweistelligen Renditen anderer Verlage. "Fürs erste Jahr können wir sehr stolz sein", sagt Förster. Man liege über dem Businessplan, zudem verfolge er - mit dem potenten Mitinvestor Möhrle im Rücken - langfristige Ziele.

Und richtig ist ja auch: Das erste Jahr war sehr turbulent. So hat Förster Hebel umgestellt, die über 90 Prozent des Umsatzes betreffen. Neben dem Vermarkterwechsel und dem Vorstoß, Anzeigen im Direktgeschäft nach der Größe der Werbekunden zu bepreisen, hat der Neuverleger auch im Vertrieb Radikales gewagt: Seit Dezember betreut nicht mehr die G+J-Sparte DPV den Monatstitel - stattdessen kümmert sich "Impulse" jetzt selbst, mit neuen eigenen Mitarbeitern, um sein wichtiges Abo-Geschäft (ohne "Köder" mit Prämien und Bindungsfristen), samt Rundum-Kundenbetreuung. Dahinter steckt die Strategie, aus "Impulse" eine Art Mittelständler-Netzwerk zu machen, mit bezahlten Dienstleistungen. Den Einzelhandelsvertrieb betreut jetzt Stella Distribution. Neu seit vergangenem Jahr ist auch: das Papier (besser, dicker), Herstellungsverfahren (Offset statt Tiefdruck), Druckerei (Neef + Stumme statt Prinovis) und das Heft (neue Ressorts, Design und Leserführung).

Die Auflage hat zuletzt (IVW IV/2013) etwas nachgegeben. Die Verkäufe liegen mit 72.474 Heften 4,7 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Abos ist zwar um ein Fünftel auf 50.777 gestiegen, aber nur durch Mitgliederstücke (25.550) durch neue Kooperationen mit dem Bund der Selbstständigen (BDS) und dem Verband der Familienunternehmer (ASU). Die Einzelverkäufe wurden zuletzt aus remissionstechnischen Gründen verzerrt mit lediglich 146 dargestellt; laut Förster betrugen sie jedoch über 1000 Stück. rp
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